"Die Sekretärin" stellt den Alltag der Sekretärinnen in den Fokus und lässt sie mittels bisher unveröffentlichter Tagebücher aus dem Deutschen Tagebucharchiv selbst zu Wort kommen. Im Mittelpunkt steht Doris, eine Zugsekretärin in modernen Fernzügen. Annegret Braun zeigt das Leben junger Frauen, die in den 1950er-Jahren zwischen Tradition und Emanzipation standen, während Gleichberechtigung und Frauenrechte immer wichtiger wurden. Aus den lebendigen Erzählungen der Sekretärinnen entsteht das Porträt eines Jahrzehnts, in dem sich weitreichende Umbrüche in der Gesellschaft anbahnten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.09.2024
Ein ambivalentes Bild des Sekretärinnenberufs in den 1950er Jahren zeichnet Annegret Brauns insgesamt empfehlenswertes Buch laut Rezensentin Andrea Roedig. Als Sekretärin konnten Frauen, legt Roedig mit Braun dar, in der Nachkriegszeit Karriere machen, wenn sie bereit waren, sich den geltenden Moralvorstellungen zu unterwerfen. Das Buch basiert auf Tagebüchern historischer Sekretärinnen und greift, erläutert die Rezensentin, insbesondere auf Aufzeichnungen zurück, die Doris Kraus anfertigte, die lange Zeit als Zugsekretärin für reisende Geschäftsleute, also ohne fixen Chef arbeitete. Die 1950er werden gleichfalls ambivalent beschrieben, lernen wir, als eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, die gleichwohl noch sehr konservativ war, Braun erweitert das Panorama durch Seitenblicke auf die Nazizeit und die liberaleren 1960er. Insgesamt ein detailreiches, allerdings nicht allzu aufregend geschriebenes und nicht in jeder Hinsicht originelles Buch, so das in Maßen positive Fazit.
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