Klappentext
Als Jacob Koerfer zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Rheinland eine Vielzahl von Großbauten errichtet, legt er den Grundstein für ein langlebiges Familienunternehmen. Das Haus Koerfer hat bald zahlreiche Bewohner und viel zu erzählen. Schon früh lenkt die Geschicke des noch heute im Kölner Hansahochhaus ansässigen Unternehmens jedoch nicht mehr Jacob, sondern sein ältester Sohn Jacques. Auf dessen Spuren folgt Henning Köhler der deutsch-schweizerischen Familie bis in die Gegenwart und entführt uns in das Herz und die Ambivalenzen einer sich verändernden großbürgerlichen Welt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2026
Rezensent Konstantin Johannes Sakkas findet mit Henning Köhlers Buch ein "Stück deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts" vor - in Form einer typischen Familien- und Aufstiegsgeschichte: Der mittlerweile verstorbene Autor zeichnet darin auf Basis zehnjähriger Recherchen nach, wie sich die rheinisch-schweizerische Familie Koerfer aus einfachen Verhältnissen über Generationen hinweg zum millionenschweren "Imperium" entwickelte. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die gewinnbringende Übernahme der Berliner Zigarettenfirma Garbáty von den Brüdern Moritz (Maurice) und Eugen Rosenthal, bei der es sich nicht um eine "Arisierung im strengen Sinne" handelte, wie der Autor dem Kritiker schlüssig belegt: vielmehr habe sich Jacques Koerfer um eine angemessene Summe und den guten Umgang mit den Zwangsarbeitern bemüht und zahlte auch Jahrzehnte später noch Abgaben an die ehemaligen Besitzer. Auch die verpflichtenden "familiären Turbulenzen" sowie der behandelte "Skandal" um die Missbrauchsfälle der Odenwaldschule, denen auch eine Koerfer-Generation zum Opfer fiel, scheinen für den Kritiker Teil einer spannenden Lektüre zu sein.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2025
Um das ganze Haus Koerfer geht es bei diesem Buch des kürzlich verstorbenen Henning Köhler eher weniger, stellt Rezensent Georg Giersberg gleich klar, eher um einen seiner Vertreter: Den Unternehmer Jacques Koerfer. 1902 wird er in eine Unternehmerfamilie hineingeboren und ändert später seinen Namen von Jakob zu Jacques, als er in die Schweiz zieht, wo er mutig und mit großem Verhandlungsgeschick unter anderem eine Beteiligung an BMW, diverse Immobilien und eine Kunstsammlung managt, erzählt Giersberg. Ihm gefällt, wie klar Köhler die Bedingungen von Koerfers Erfolg herausarbeitet (die familiäre Basis stimmt und er ist oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort) und auch Misserfolge, etwa den Kauf einer bereits leergeschürften Mine in Südamerika, und die eher unsympathische Persönlichkeit nicht unerwähnt lässt. Interessant, wie hier eine "typische deutsche Nachkriegslaufbahn eines mittelständischen Unternehmers" entsteht, die auch für heutige BetriebswirtInnen als Vorbild dienen könnte. Allerdings hätte sich Giersberg ein rigideres Lektorat gewünscht, denn manches an zusätzlicher Information hätte man sich hier sparen können.
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