Anne Hardy

Ärzte, Ingenieure und städtische Gesundheit

Medizinische Theorien in der Hygienebewegung des 19. Jahrhunderts
Cover: Ärzte, Ingenieure und städtische Gesundheit
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783593378954
Kartoniert, 414 Seiten, 45,00 EUR

Klappentext

Verseuchtes Trinkwasser, stinkende Sickergruben, überfüllte Wohnungen und Mangelernährung machten die rasch wachsenden Städte des 19. Jahrhunderts zu Brutstätten von Seuchen. Die in den 1860er Jahren entstehende Hygienebewegung rückte diesen Problemen mit Wissenschaft und Technik zu Leibe. Ingenieure, Ärzte und Verwaltungsbeamte forderten den Bau von Kanalisationssystemen und zentraler Wasserversorgung, eine staatliche Lebensmittelkontrolle und gesundheitsgemäße Städteplanung. Anne I. Hardy schildert die ergriffenen Maßnahmen und deren Folgen und zeigt, wie erstaunlich wenig medizinische Vorstellungen bis zur Entdeckung der Mikroben durch Robert Koch vorherrschend waren. Selbst die Bakteriologie beeinflusste das Handeln der Hygieniker weniger als bisher angenommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2005

Als "vorzüglich" beurteilt Rezensent Robert Jütte diese Dissertation über die Hygienebewegung des 19. Jahrhunderts, die Anne L. Hardy vorgelegt hat. Überzeugend findet er die Ausführungen der Autorin, wonach vor allem das Bevölkerungswachstum um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts Anstoß zu aufwendigen Kanalisationsprojekten in den deutschen Städten gab. Hardy nehme die bisher kaum untersuchte Rolle der Experten in der städtebaulichen Assanierung unter die Lupe. Sie zeige, dass es vor allem ein Verdienst von Ingenieuren war, die breite Öffentlichkeit für das neue Kanalisationssystem zu gewinnen sowie die bautechnischen und finanziellen Fragen zu lösen. Zudem behandle sie den 1873 gegründeten Verein für öffentliche Gesundheitspflege, in dem neben Ärzten auch Ingeneure stark vertreten waren, und zeige, welche Impulse von dieser Vereinigung für die Verbesserung der Gesundheitsfürsorge ausgingen. Aufschlussreich erscheint Jütte ferner der Vergleich zwischen der englischen und deutschen Hygiene-Bewegung. Das "einzige Manko" dieser Studie sieht er im fehlenden Blick auf die französische Hygienebewegung. Hier hätten sich seiner Ansicht nach noch wichtige Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede herausarbeiten lassen.
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