Vatertage
Roman

Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783827015372
Gebunden, 448 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Amelie Thoma und Michaela Meßner. "Jede Ferien verließen wir unseren Pariser Vorort und fuhren in die Bretagne, die Heimat meines Vaters, wo er geboren worden war, genau wie sein Vater - und dessen Vater vor ihm." Nach zwei Büchern über die Familie ihrer Mutter widmet Anne Berest dies neue Kapitel ihres Romanwerks dem väterlichen, dem bretonischen Zweig ihrer Familie. Schon der Ururgroßvater lebte im Finistère.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.07.2026
Wie Anne Berest das Persönliche mit dem Allgemeinen verbindet, das Psychologische mit dem Gesellschaftlichen, das Familiäre mit dem Historischen, das ist eine "große Kunst", findet Rezensent Dirk Fuhrig. Nachdem sich die Autorin im Vorgängerroman "Die Postkarte" mit dem mütterlichen Strang ihrer Familie beschäftigt hatte, folgt sie in "Vatertage" nun drei Generationen von Männern durch die Jahrzehnte, um sich auf diesem Wege ihrem emotional unzugänglichen Vater anzunähern, lesen wir. Dies gelingt ihr auf erstaunliche, berührende Weise, so Fuhrig. Mit einem psychologisch geschärften Blick und einem feinen Gespür für Details arbeitet sie jene schwer greifbaren familiären Gemeinsamkeiten und Kontinuitäten heraus - Geschmäcker, Gewohnheiten, Vorlieben und Leidenschaften - die sie mit ihren Ahnen und insbesondere mit ihrem Vater verbinden. ...Und lässt ganz nebenbei noch ein über einhundert Jahre französische Kriegs- und Nachkriegsgeschichte lebendig werden. Ein in jeder Hinsicht perfekt austariertes "Epochenbild", hervorragend übersetzt von Michaela Meßner und Amelie Thoma, so der berührte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 13.06.2026
Das Vorgängerbuch von Anne Berest über die mütterliche Seite ihrer Familie war ein großer Erfolg, nur folgerichtig also, dass es eine Fortsetzung über die väterliche Seite gibt, findet Rezensent Ulrich Rüdenauer. Sie erhält Aufzeichnungen ihres Großvaters, aus denen ersichtlich wird, dass der Urgroßvater eine politische Bewegung angeleitet hat, die seinem Sohn dann einen rasanten Bildungsaufstieg ermöglicht hat, er lernt alte Sprachen und schließlich wird sein Sohn, Berests Vater, Mittelpunkt der Geschichte, so Rüdenauer. Der Vater wiederum hat seine Begabung in der Mathematik und ist auf emotionaler Ebene nicht so leicht zu erreichen, die Distanz zwischen ihm und ihr sucht Berest mit ihrer Recherche zu überwinden, die für den Kritiker aber nicht überzeugt. Die Idee der Bifurkation, physikalisch betrachtet eine kleine Veränderung mit großen Auswirkungen, ist zwar interessant für ihn, aber auf Strukturebene ein Problem für das Buch, das ihm zu glatt und zu wenig lebendig ist, auch der eingeflochtene Pariser Frühling 1968 oder eine Dreier-Liebesfreundschaft können das nicht ändern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.05.2026
Anne Berests Vorgängerbuch über ihren jüdischen Familienzweig hat Rezensentin Frauke Fentloh ziemlich begeistert, so war sie gespannt auf das neue Werk, das wieder die vergangenen Generationen und ihre Auswirkungen auf ihr Familienleben im Blick hat, hier ist es der väterliche Familienzweig. Dieses Buch ist allerdings leider eher anekdotisch geraten, mit wenig Bewusstsein für durchdringendere Tendenzen, findet Fentloh: Die Autorin macht sich auf den Weg, ihre Vorfahren aus Finistère zu erforschen, ihr Vater ist als erster aus dieser kargen Region ausgebrochen, um in Paris zu studieren. Dort lernt er auch ihre Mutter kennen, erfahren wir, die oftmals das Schweigen ihres Mannes übersetzen muss. Doch Schweigen als Leitthema bestimmt auch diesen Text, seufzt die Kritikerin, die sich gewünscht hätte, dass ein bisschen tiefer gebohrt worden wäre.