Anthony Doerr

Alles Licht, das wir nicht sehen

Roman
Cover: Alles Licht, das wir nicht sehen
C. H. Beck Verlag, München 2014
ISBN 9783406680632
Gebunden, 519 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence. Saint-Malo 1944: Die erblindete Marie-Laure flieht mit ihrem Vater, einem Angestellten des "Muséum National d'Histoire Naturelle", aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer. Verborgen in ihrem Gepäck führen sie den wahrscheinlich kostbarsten Schatz des Museums mit sich. Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert und landet auf Umwegen in einer Spezialeinheit der Wehrmacht, die die Feindsender der Widerstandskämpfer aufzuspüren versucht. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, der die Résistance mit Daten versorgt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.07.2015

Martin Ebel ist hellauf begeistert von Anthony Doerrs "Pageturner" der besonderen Art. Besonders, da es dem Autor laut Ebel gelingt, nicht nur die Dramatikvorlage "Zweiter Weltkrieg" auszuschlachten und womöglich Histokitsch zu verfassen, sondern recht kühn zwei stetig aufeinanderzulaufende Handlungsstränge schließlich wirkungsvoll zu verbinden zu einem laut Ebel grandios spannenden Stück Literatur. Als Meister der Disposition bezeichnet Ebel Doerr aus diesem Grund. Der Sog des Romans um einen "Napola"-Absolventen und ein blindes Mädchen ist enorm, meint Ebel. Weitere Glanzstücke des Textes für ihn: die Differenziertheit der Figuren zwischen Gut und Böse sowie die Ebene der Anschauung. Hier gelingt es dem Autor mit stilistischen Mitteln sogar, den Leser überzeugend in die Perspektive einer Blinden zu versetzten. Große Literatur!, findet Ebel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.06.2015

Einen bemerkenswerten historischen Roman empfiehlt Petra Pluwatsch mit Anthony Doerrs Fabel aus den Kriegsjahren 1940-45. Die Geschichte um zwei Kinder im von den Alliierten bombardierten bretonischen Saint Malo greift laut Rezensentin weit aus in die Vorkriegszeit und besticht durch eine stille Heldin, eine plastische Darstellung des Bombenkrieges und so kurz gehaltene wie pointierte und eindringliche Schilderungen von Naziterror und Widerstand.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2015

Ob in diesem Roman allzu leicht erzählt wird, mag Rezensent Wolfgang Schneider nicht entscheiden, Fakt ist, Anthony Doerrs Geschichte aus den letzten Kriegstagen im alten Europa, ist Verkaufsknüller und Kritikerliebling in einem. Dass so einer den Pulitzerpreis bekommt, macht Schneider allerdings stutzig. Was ist dran? Für Schneider steckt das Erfolgsrezept in der Kombination aus Nazi-Grusel und pittoreskem Schauplatz (Saint Malo in der Bretagne), aus History und Mystery, die der Autor gekonnt verbindet, und aus einer guten Portion Beschreibungskraft. Dass Klischees vorkommen und durch eine Nebenhandlung um einen Superdiamanten ein bisschen Indiana-Jones-Feeling entsteht, macht das nicht kleiner, gibt Schneider zu. Eher schon nerven ihn die arg gekünstelten Sprachbilder und Stilblüten im Text, die Konstruktion scheint ihm recht gut sichtbar. Am Ende von Schneiders Besprechung steht ein etwas zerknirschtes Lob: Ein durchaus eigenwillig erzähltes Buch, meint er.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.05.2015

Ulrich Greiner wirkt von Anthony Doerrs Roman "Alles Licht, das wir nicht sehen" wenig überzeugt. Der Autor erzählt die Geschichte eines jungen Nazis, der eine harte Drillschule und den Krieg überleben muss, und eines blinden französischen Mädchens, das lernt, sich trotz des Chaos um sie herum zurecht zu finden, fasst der Rezensent zusammen. Natürlich verlieben sich die beiden ineinander, verrät Greiner. Nebenbei gibt es noch ein wenig Fantastik: einen Diamanten, der angeblich seinen Besitzer schützen soll, dafür aber seinen Nächsten Unglück beschert, so der Rezensent. Dass der Roman in den USA so großen Erfolg hat, mag daran liegen, dass sich die kurzen Kapitel der "Aufmerksamkeitsspanne eines Fernsehzuschauers" entsprechen, an den altbekannten Bildern vom Krieg, die mittlerweile zu vertraut sind, um ernsthaft zu verstören, und an der Beigabe der fantastischen Elemente, die die Atmosphäre auf gefällige Weise mystisch anreichern, vermutet Greiner.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.05.2015

Überhaupt nicht begeistert ist Hans-Peter Kunisch von Anthony Doerrs Roman "Alles Licht, das wir nicht sehen", der für völlig ihn völlig unverdient den Pulitzer Preis 2015 gewonnen hat. Die im Zweiten Weltkrieg spielende Geschichte erzählt von einem blinden Mädchen und einen Jungen von der Napola, die sich in den Wirren des Krieges begegnen. Neben der vorhersehbaren Geschichte stört sich der Rezensent besonders an der Sprache: Kunisch ätzt über Geraune, Poetisieren und "Geschmacksverstärker", die er bei dem Thema einfach nicht vertragen kann. Vielleicht besitzt ja der amerikanische Leser mehr "Schmalztoleranz" als der deutsche, überlegt Kunisch großzügig.
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