Herausgegeben von Claudia Brandt und Ute Pott. Eine Edition der schönsten und wichtigsten Briefe und Gedichte der Stegreif-Dichterin. Anna Louisa Karsch (*1722) ist eine der interessantesten Dichterinnen und Briefeschreiberinnen ihrer Zeit. In dieser Ausgabe zu ihrem 300. Geburtstag werden ausgewählte Briefe und Gedichte in unveränderter Form, mit allen Eigenheiten und Eigenwilligkeiten, präsentiert. Die Briefe und Briefgedichte sind an viele Empfängerinnen und Empfängern adressiert, von einfachen Leuten hin zu bedeutenden Persönlichkeiten. In all diesen Briefen beherrscht Karsch vorzüglich das Rollenspiel und tritt der heutigen Leserschaft fromm, bittend, liebend, fordernd, versöhnlich, gewitzt, mal verzagt und mal selbstbewusst entgegen. Eine Unterscheidung zwischen Brief und Gedicht ist dabei nicht immer trennscharf möglich. So macht die Edition deutlich, wie sehr die Briefe elementarer Bestandteil von Karschs Werk sind. Die Texte sind chronologisch geordnet und bieten einen einzigartigen Einblick in die Bedingungen und Entwicklung ihres Schreibens, ihre öffentliche Vernetzung sowie die Biografie dieser ersten "freien" deutschen Autorin, die als Aufsteigerin ihre niedere Herkunft nie vergaß. Karschs Briefe und Gedichte geben einen tiefen Einblick in ein außergewöhnliches Frauenleben im 18. Jahrhundert.
Rezensentin Gisa Funck kommt ganz schön ins Staunen angesichts des Lebenslaufs von Anna Louisa Karsch, die 1722 in kleinste Verhältnisse geboren wurde und mit ihren Stegreifgedichten zur Berliner Literatursensation wurde. Ganz große Kunst ist das nicht, gibt Funck zu, aber sie hat den von Ute Pott herausgegebenen Sammelband mit Aufsätzen zu Karsch ebenso mit Interesse gelesen, wie die Briefe der Dichterin. Beide Bücher zeigen der Kritikerin nämlich, wie geschickt Karsch ein Netzwerk aufbaute, das ihren Aufstieg förderte. Das belegen vor allem die "Bittbriefe". Gut für Karsch war natürlich auch, dass Geniekult und Empfindsamkeit in Mode waren. Dennoch: dass sie es schaffte, sich als "unterprivilegierte Außenseiterin einen dauerhaften Platz" im durch und durch männlichen Literaturbetrieb jener Zeit zu sichern, ringt der Kritikerin enormen Respekt ab.
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