Die sechzehnjährige Dessi führt ein Doppelleben: Im Münchner Brennpunktviertel Neuperlach gibt sie mit Jogginghose und Alman-Jokes die Assi-Ausländerin, im Innenstadtgymnasium trägt Daisy eine blonde Perücke, blaue Kontaktlinsen und spricht Hochdeutsch. Ihre jeweiligen Freund*innen hält sie voreinander geheim. Lieber versucht sie, überall dazuzugehören, als sich angreifbar zu machen. Die Taktik funktioniert - bis sie eines Tages von Bo bei ihrer Verwandlung erwischt wird. Bo ist nicht nur Dessis Nachbar, sondern auch ihr Mitschüler und damit der Einzige, der ihre beiden Persönlichkeiten kennt. Kann Dessi ihn überzeugen, dichtzuhalten? Oder prallen ihre beiden Welten endgültig aufeinander?"Ich glaube, wir sehnen uns alle nach einem Ort, wo wir einfach dazugehören, ohne uns verstellen oder anpassen zu müssen. An dem wir so sein können, wie wir wirklich sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.09.2024
Rezensent Saladin Salem taucht mit Anna Dimitrovas "Kanak Kids" ein in die Gedankenwelt der 16-jährigen Dessi alias Daisy. Dessi hat nicht nur zwei Namen, lesen wir, sondern auch zwei Identitäten. Zuhause bei ihrer aus Bulgarien stammenden Familie und in ihrem Viertel ist sie Dessi, in der Schule jedoch wird sie zur blonden, blauäugigen Daisy. Warum? Das lernen die Leserinnen und Leser in Dessis humorvoller, "patzig-frecher" Ich-Erzählung nachzuvollziehen. Es ist der Anpassungsdruck, den sie zu spüren glaubt, erklärt Salem, der sie immer tiefer hinein treibt in ihr Lügengespinst. Der Plot ist simpel und erinnert den Rezensenten an Hollywood-Highschool-Filme. Aber weil die Autorin ihr Handwerk beherrscht, ist "Kanak Kids" auch ebenso spannend und unterhaltsam wie die besten dieser Filme. Und man versteht nach der Lektüre vielleicht etwas besser, was in jungen Menschen so vor geht, die "unbedingt dazu gehören wollen", so der Rezensent.
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