Bebra Wissenschaft Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783954103584 Gebunden, 240 Seiten, 40,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Josefine Haubold. Für queere Menschen war Berlin nach 1945 ein besonderer Ort. Selbst in den konservativen 1950er- und 1960er-Jahren fanden lesbische, schwule und trans Berliner*innen in Ost und West Räume, sich kennen- und liebenzulernen. Ob Flirten in der Kneipe, flüchtiger Sex an öffentlichen Orten, Beziehungen im eigenen Zuhause, aber auch im Gefängnis - dieses Buch erzählt ihre Geschichten.Trotz der NS-Zerstörung von queeren Kulturen wurde die geteilte Stadt bald wieder ein Zentrum nicht-normativ gelebter Geschlechtsidentitäten, Sexualitäten und Familien. Aus zahlreichen Interviews, Archivmaterialien und privaten Dokumentenwie Tagebüchern und Fotografien lässt die Autorin ein neues, facettenreiches Bild von Ost- und West-Berlin entstehen.Mithilfe feministischer, queer- und raumtheoretischer Ansätze wird ein innovativer Blick auf die Teilungs- und Verflechtungsgeschichte der Stadt im Kalten Krieg geworfen und somit ein bedeutender Beitrag zur Berliner Alltags- und Sozialhistorie geleistet.
Rezensent Sidney Kaufmann liest mit Andrea Rottmanns Buch eine aufschlussreiche Dokumentation des queeren Lebens in Berlin von Kriegsende bis 1970: Beide deutschen Staaten waren von queerfeindlichen Gesetzen durchdrungen, die BRD übernahm die verschärfte Nazi-Gesetzgebung. Kaufmann ist froh, dass Rottmann auch besonders auf trans und lesbische Perspektiven blickt, zum Beispiel lernen wir Hilde Radusch kennen, die nach fast 25 Jahren als Parteimitglied 1946 aus der KPD fliegt - weil sie lesbisch ist. Rottmann zeigt Kaufmann einerseits, dass Gleichberechtigung nicht linear verläuft und immer neu erkämpft werden muss, aber andererseits auch, dass es immer schon Menschen gegeben hat, die für ihre Selbstbestimmung erfolgreich einstehen.
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