Aus dem Russischen von Alexander Nitzberg. Da sowjetische Exegeten von der Literatur stets "Geschlossenheit" erwarteten, wurde Anna Achmatovas letztes großes Werk "Enuma elisch" jahrzehntelang nur stiefmütterlich behandelt. Es galt als nicht wirklich existent, zumindest als unvollendet. Indessen hielt sie es selbst, wie zahlreiche Briefe belegen, für ihre wichtigste Schöpfung, ja, sogar für ihr dichterisches Testament schlechthin. Mit der vorliegenden Übertragung wird der Text zum ersten Mal auch im deutschsprachigen Raum bekannt. "Enuma elisch" heißt auf Altbabylonisch "Als droben ?" Mit diesen Worten beginnt eine uralte Kosmogonie. Auch in ihrem "Enuma elisch" formuliert Achmatowa einen Mythos: den des eigenen Lebens vor dem Hintergrund der Epoche.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2005
Anna Achmatowa habe an diesem Text in den vierziger und erneut in den sechziger Jahren geschrieben, erläutert Rezensent Felix Philipp Ingold, und ihn offenbar als ihr ultimatives Werk konzipiert, das durch ihren Tod "vollendet" würde. Alles an diesem Buch erscheint dem Rezensenten schwer fassbar zu sein, wer da jeweils spricht, um welche Art von Text es sich handelt und welche inhaltlichen oder strukturellen Verbindungen die Text-"Fragmente" haben. Als Versuch einer Benennung bietet Ingold die Bezeichnung "lyrisches Ideendrama" an, dessen verschiedene Stimmen oder Rollen vom Text beispielsweise als "Jemand", "Rivalin" oder "alter Dichter" benannt würden. Eindeutig ablesbar, so Ingold, sei dagegen der Rang, den die Autorin ihrem Spätwerk zumesse. Der Text sei "höchst ambitioniert" und entsprechend "pathetisch instrumentiert", unter anderem mit vielen "neoromantischen" Motiven. Ein solcher Stil, konstatiert der Rezensent, stehe in einem extremen Kontrast zu Achmatowas Frühwerk und sei ein Rückschritt gegenüber dessen moderner und "luzider" Poetik.
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