Ann Cotten

Poller

Idyllen
Cover: Poller
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518001332
Taschenbuch, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Die als "Poller" gelesenen Stehtexte stecken in einem Botaniksubstrat, das 2009 angelegt wurde: ein innovatives Verfahren im Textrecycling, das Standfestigkeit mit konzeptueller Fruchtbarkeit vereint. "Poller. Idyllen" stellt bukolische Szenen, wie sie Theokrit sammelte, in Medienbildern und Lebenswelten der Gegenwart frei. Details dienen als Zeitstempel und Gelenke zugleich. Geringe Wortspieldichte, hohe Präzision. Im Sinne des Urban Mining ist "Poller. Idyllen" ein Reservoir für die Zukunft, deren Filterfunktion wache Analysen realer Situationen erlaubt, ohne sich mit Mitreisenden in veralteten Fachsprachen unterhalten zu müssen. Die Zweikomponentenpaste der Lyrik wird im Einklang mit der Tradition einseitig aufgetragen, denn "dass die Welt klebrig ist, wissen wir beide".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.07.2026

Rezensentin Jette Wiese trifft sich für die taz mit der Lyrikerin Ann Cotten, die eben ihren Gedichtband "Poller. Idyllen" und ihre Poetikvorlesung "Text fur Aliens" veröffentlicht hat. "Die Muße der Fluren zeigt sich nur einem zögernden oder ruhenden Gehirn. Worte sind Deckel für Wunden mit eingebauter Leiter", zitiert sie die Dichterin und gibt damit einen Eindruck, womit man bei Cotten zu rechnen hat. Das schwer verständliche nimmt Wiese der Autorin nicht übel, weil sie die "ständige Suchbewegung" dahinter spürt und den Wunsch, "das Unverstandene zu greifen". Dieses Unverstandene scheint mit ihrer Erfahrung als amerikanisches Kind an einer Wiener Volkshochschule zu tun zu haben. Einen neuen Blickwinkel zu finden, hat sie auch angeregt, den Philosophen Derrida in der japanischen Übersetzung zu lesen, was sie in ihrer Poetikvorlesung beschreibt. Man spürt, dass Wiese Cottens Suchbewegungen sympathisch sind. Greifbarer wird die Autorin dadurch nicht, aber vielleicht ist das gerade der Punkt.
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