Anka Muhlstein

Die Gefahren der Ehe

Elisabeth von England und Maria Stuart
Cover: Die Gefahren der Ehe
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783458172734
Gebunden, 352 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Elisabeth I. herrscht als Königin über England, Maria Stuart über Schottland. Sie sind Cousinen, aber alles trennt diese Frauen: ihre Religion - die eine ist Protestantin, die andere katholisch -, ihre Vergangenheit, ihre Ambitionen, ihre politischen Ansichten und besonders ihr privates Leben. Trotzdem sind beide mit demselben Problem konfrontiert: sich zu verheiraten und ihrem Land einen Erben zu hinterlassen. Elisabeth, die Frau der politischen Macht, zieht es vor, sich keinem Mann unterzuordnen, und heiratet nicht. Maria Stuart hingegen geht drei Ehen ein. Ihr Leben wird zu einem düsteren Kapitel der Weltgeschichte, bestimmt von Liebe, Hass und Intrigen. Ihre verzweifelte Flucht nach England endet auf dem Schafott.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2005

Stefan Zweig noch nahm Partei für die romantisch-verwegene Maria Stuart, aber die französische Historikerin Anka Muhlstein erwählt als Heldin für ihre Studie "Die Gefahren der Ehe" deren Gegenspielerin, die "kühle Taktiererin" Elisabeth I. So recht kann diese Entscheidung Rezensent Manfred Schwarz nicht nachvollziehen. Immerhin schillert farbenprächtiger auf der "Bühne des großen Welttheaters" die Schottin. Gleichwohl stellt er fest, dass es Muhlstein gelinge, anschaulich zu machen, inwiefern Elisabeths Verzicht auf die Ehe ein wesentlicher Faktor war für die Stabilität ihrer anfangs noch erschütterbaren Herrschaft. Jeder Mann, noch der beste, hätte ihre Souveränität schmälern müssen. Maria Stuart gelang es ja sogar, sich durch ihre Partnerwahl direkt ins Unheil zu stürzen. Muhlsteins Darstellung nennt Schwarz "überaus lesbar", "konzentriert" und "kenntnisreich"; allerdings sei sie frei von "neuen Erkenntnissen oder Deutungen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2005

Als "faszinierendes Doppelporträt" der beiden Königinnen Elisabeth I. von England (1533 - 1603) und Maria Stuart von Schottland (1542 - 1587) würdigt Renate Wiggershaus dieses Buch der französischen Historikerin Anka Muhlstein. Dass der Titel die "Gefahren der Ehe" in den Vordergrund rückt, betrachtet Wiggershaus als einen "verkaufspolitischen Gag", der dem Buch Gott sei Dank nicht gerecht werde. Muhlsteins Darstellung der Lebensbilder dieser beiden Frauen vor dem historischen Hintergrund lobt sie für ihr "psychologisches Feingefühl". Ausführlich erzählt sie von den Intrigen, die um die beiden, in direkter Linie vom englischen König Heinrich VII. abstammenden Königinnen gesponnen wurden. Lesenswert findet Wiggershaus das Buch insbesondere auch wegen der zahlreichen "machtpolitische Beobachtungen", die Muhlstein anstellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2005

Theo Stemmler gibt sich kritisch und gnädig: Diese Doppelbiografie, schreibt er, "bietet historisch interessierten Laien eine lesenswerte Lektüre" zum Thema der "gesellschaftlichen Position von Frauen im England des sechzehnten Jahrhunderts". Die Gegenüberstellung von Elisabeth und Maria Stuart erweist sich als fruchtbar, da sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede gut hervortreten lässt, vor allem aber, weil sie Muhlsteins thematischer Zuspitzung perfekt entspricht: "Wie kann eine Frau auf dem Thron politische Zwänge mit privaten Bedürfnissen in Einklang bringen?" So weit, so gut. Doch warum, fragt Stemmler, die vielen minder wichtigen Details, wenn zugleich die Chance nicht genutzt wird, die literarischen Aktivitäten beider Frauen einer genauen Betrachtung zu unterziehen? Er bemängelt außerdem inhaltliche Fehleinschätzungen (ein ganz so schlimmer Schlächter, wie Muhlstein ihn darstellt, war Heinrich VIII. nun auch nicht!) und "stilistische Mängel", die er in erster Linie dem Übersetzer anlastet.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Sowohl über die englische Königin Elisabeth I. als auch über ihre schottische Cousine Maria Stuart wurde bisher schon viel geforscht und geschrieben, Anka Muhlstein kann also naturgemäß in ihrem Buch kaum mit "Sensationsfunden" beeindrucken, stellt Rezensent Dorion Weickmann klar. Stattdessen bilde die Autorin so etwas wie die "Schnittmenge" der beiden Herrscherinnen, woraus sich ein wenn auch "konventionelles", so dennoch "lebendiges Doppelporträt" ergibt, so der Rezensent zufrieden. Wenn er es auch etwas schade findet, dass Muhlstein sich größtenteils an die "populären Wegweisungen" der Literatur hält, so lobt er dennoch, dass sie mit ihrem Buch den beiden so verschiedenen Frauen durchaus "gerecht" wird. Ebenfalls angenehm findet Weickmann die "Neutralität" Muhlsteins, die sich in ihrer Doppelbiografie weder auf die Seite der einen noch der anderen schlage und trotzdem den "historischen Glanz", der von diesen schillernden Persönlichkeiten ausgeht, keineswegs "trübt", wie der Rezensent lobt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2005

Rundweg begeistert ist Carolyn Schnyder von Anka Muhlsteins Doppelbiografie der beiden Königinnen Elisabeth I. und Maria Stuart. Die Rezensentin schätzt die französische Historikerin bereits seit längerem als "meisterhafte Biografin", die überzeugend "das intime Porträt mit dem großen Geschichtsgemälde zu verbinden" wisse. Roter Faden ihrer Erzählung ist das Thema der Ehe, das Muhlsteins Ansicht nach die beiden Herrscherinnen mit einander verband. Während sich Maria Stuart durch ihre Männergeschichten immer wieder Teufels Küche brachte, verweigert sich Elisabeth jeglicher Gefährdung ihrer Unabhängigkeit durch einen Mann, der ihr entweder die Herrschaft streitig gemacht hätte, sie zu einem Bündnis gezwungen, oder ein Katholik gewesen wäre, wie Schnyder erzählt. "Leichtfüßig", "rasch und dünn" sieht die Rezensentin das alles erzählt, und natürlich weniger "verstaubt" als noch bei Stefan Zweig, dessen grundlegende Deutung Muhlstein aber beibehält, wonach die Tränen Marias "die einer Frau" waren, Elisabeths dagegen die "gezielt eingesetzten Waffen einer souveränen Herrscherin". Vorsichtige Einwände erhebt Schnyder nur dagegen, dass Muhlstein nicht die neueren Deutungen des Historikers John Guy aufnimmt, nach denen Maria Stuart weniger durch ihre unheilvollen Männergeschichten in Bedrängnis geraten war als durch Elisabeths Staatssekretär William Cecil, der eifrig gegen die schottische Krone intrigierte.
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