Anita Harag

Es ist zu kühl für diese Jahreszeit

Cover: Es ist zu kühl für diese Jahreszeit
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2022
ISBN 9783895613692
Gebunden, 192 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Timea Tankó. Eine junge Frau fühlt sich unter den Kollegen fremd, weil sie die Sprache nicht spricht und ihren Unterhaltungen nicht folgen kann. Eine Tochter räumt zusammen mit ihrem Mann, mit dem sie ihre Sorgen über das familiäre Erbe nicht teilen kann, das Haus ihres Vaters aus, der ein Trinker war. Ein schüchternes Mädchen lernt einen draufgängerischen Jungen kennen und beginnt nach einer Weile, sich mit seinen Augen zu sehen. Anita Harags Figuren erleben scheinbar nichts Besonderes, sie wachen auf, gehen zur Arbeit, besuchen Verwandte. Doch hinter diesen einfachen Geschehnissen verbergen sich Beziehungen voller Schmerz, Verlust und Sehnsucht. Die Erzählerinnen, junge Frauen im heutigen Ungarn, leiden unter Ängsten, die von den bösen Erinnerungen ihrer Eltern und Großeltern herrühren, aber auch ihre eigene ungewisse Zukunft betreffen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2022

Rezensent Jan Wiele freut sich bei der von ihm konstatierten derzeitigen Romanwut schon prinzipiell über die kurze Form; und deren Mittel setze Anita Harag in ihren Kurzgeschichten auch gekonnt ein: Mithilfe von Leerstellen und Andeutungen erzähle die ungarische Schriftstellerin von jungen Frauen und deren Verhältnis zu ihrem, oft familiären, Umfeld. So geht es etwa um eine Figur, die ihre Trennung nicht verwinden kann und überall ihren Ex-Freund sieht, um das Verhältnis zur Großmutter oder um Frauenarztbesuche. Dabei zeichnen sich Harags Geschichten durch einen "sachlich-kühlen Waschbecken-Realismus" aus, analysiert Wiele - manchmal fällt ihm das Ergebnis etwas zu "drastisch" aus. Gut gefallen ihm hingegen eine Erzählung über die Entrümpelung des Hauses eines verstorbenen Vaters, sowie ein Text über eine Ukrainerin im ungarischen Exil.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.08.2022

Rezensent Jörg Plath spürt auf jeder Seite dieses Debüts der ungarischen Autorin Anita Harag die Angst, die ihre Ich-Erzählerinnen umtreibt. Ob Angst vor Wasser, Krebs oder dem Tod oder die Angst nach einem Verlust, stets regiert die Furcht, oft auch die Unwissenheit das Leben der Heldinnen, resümiert der Kritiker. Es ist ein Buch der "stillen Trauer, voll leiser Schocker", lobt Plath, der nur an einer der Kurzgeschichten das Vage, Bedrohliche vermisst. Die Übersetzung von Timea Tankó ist souverän, meint er, von Harag wünscht er sich im nächsten Werk dennoch ein anderes Sujet.
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