Angelika Meier

Heimlich, heimlich mich vergiss

Roman
Cover: Heimlich, heimlich mich vergiss
Diaphanes Verlag, Zürich 2012
ISBN 9783037341841
Gebunden, 336 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Wer in hoher Luft in einer gläsernen Klinik sitzt, sollte nicht hinausschauen Dr. Franz v. Stern, als Arzt selbstverständlich mit einer zusätzlichen Hirnrindenschicht und einem Mediator zwischen den Rippen ausgestattet, versagt als Referent in eigener Sache: Unfähig, den Eigenbericht zu schreiben, den seine Klinikleitung ihm abverlangt, erzählt der Arzt sich zurück in seine Vergangenheit. Eine "Ambulante" erscheint ihm als Wiedergängerin seiner Frau, und im vermeintlichen Wahngerede seiner Patienten sucht er nach dem Echo der eigenen Geschichte. Irrealer als die Gegenwart, dieses taghelle Delirium, kann das Erinnerte nicht sein, und so macht von Stern sich auf, seine verglaste Welt zu verlassen.Angelika Meiers zweiter Roman spielt in einer Welt, in der "mangelnde Gesundheitseinsicht" ein tödlicher Befund ist: eine fröhlich-düstere Elegie auf uns fast vergangene Gegenwartsmenschen, uns sentimentale Selbstoptimierer.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.09.2012

Angelika Meiers Roman "Heimlich, heimlich mich vergiss" hat Margarete Stokowski sichtlich beeindruckt. Sie liest diese Science-Fiction-Erzählung um einen mit einer zweiten Hirnrinde und einem Mediator ausgestatteten Arzt in einer futuristischen Klinik, der unfähig ist, den von der Klinikleitung geforderten Eigenbericht abzuliefern, als "postmoderne Version von Thomas Manns 'Zauberberg'". Neben Elementen von Huxleys "Schöner neuen Welt" und Dürrenmatts "Physiker" findet sie zahlreiche Anspielungen auf unsere Gegenwart: Yoga- und Wellneswahn, Burn-out, Depression, Technikbegeisterung, Selbstoptimierung, Entgrenzung der Arbeit usw. Dabei unterstreicht sie, dass diese Anspielungen nicht um ihrer selbst willen vorkommen, sondern in die Geschichte eingewoben sind und sie tragen. Meier gelingt es in ihren Augen überzeugend, die Balance zwischen Satire und Utopie zu halten. Deutlich wird in diesem höchst intelligenten Werk für sie jedenfalls, dass die menschlichen Probleme mit fortschrittlicher Technik nicht wirklich weniger, sondern nur anders werden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2012

Rezensentin Kristina Maidt-Zinke hat Angelika Meier zweiten Roman "Heimlich, heimlich mich vergiss" mit gemischten Gefühlen gelesen. Zunächst lobt die Kritikerin den Ideenreichtum des Romans, in dem Meier in einer Mischung aus "Psychiatrie-Satire" und Science-Fiction die durchtherapierte Gesellschaft angreift. Sie erlebt hier den Alltag in einer von Raum und Zeit abgeschnittenen, futuristischen Psychiatrie, in der den Ärzten ein Mediator in die Brust implantiert wurde, um Erinnerungen zu unterdrücken und in der die Patienten mit Yoga, "Opium-Rhabarbersaft" oder "GV" ruhiggestellt werden, wenn sie nicht gerade durch Drogen eingeschläfert werden. Neben Meiers skurrilem, "ungemütlichen Humor" und ihren amüsanten Wortneuschöpfungen begegnet die Kritikerin auch dem reichen, sich von Augustinus über Rilke und Puschkin erstreckenden Zitateschatz der Literaturwissenschaftlerin Meier, die hier die verschiedensten Diskurse unterbringt, durchaus wohlwollend. Dennoch muss Maidt-Zinke schließlich gestehen, dass ihr diese zwischen Orwell und Foucault pendelnde Mischung aus "Campusroman und Wissenschaftsfarce" etwas zu gewollt, grimmig und "unfreiwillig komisch" erscheint. Darüber hinaus hätte sich die Rezensentin bei aller Beklemmung, die der Roman hervorruft, doch einen Ausblick in eine bessere Zukunft gewünscht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2012

"Volltreffer!" jubelt Rezensent Oliver Jungen nach der Lektüre von Angelika Meiers neuem Roman "Heimlich, heimlich mich vergiss" und erklärt seine Begeisterung in einer hymnischen Besprechung. Genau wie Michel Foucaults Abhandlung "Wahnsinn und Gesellschaft" könne auch Meiers Buch als Philosophie und Zeitgeschichtsschreibung gelesen werden - nur, dass die Autorin das Thema von der Gegenseite her untersuche, berichtet der Kritiker, der Meiers Protagonist hier dementsprechend in die Psychiatrie folgt. Und so erlebt Jungen, der sich während der Lektüre des surrealen Textes nicht ganz sicher ist, ob er sich im Inneren einer Psychose befindet, den Alltag in einer "kafkaesk" anmutenden psychiatrischen Klinik, in der Patienten mit Drogen, gymnastischen und esoterischen Übungen ruhiggestellt werden und sich der hier erzählende Dr. Franz von Stern in pseudomedizinischen Patientenberichten und protokollierenden Eigenberichten immer weiter in psychotische Vorstellungen verstrickt. Ein "anspruchsvolles, spannendes, kurioses und witziges" Buch, das einen tiefsinnigen Blick auf unsere durchtherapierte und selbstentmündigte Gesellschaft wirft lobt der Kritiker.
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