Angelika Kartusch, Katharina Knaus, Gabriele Reiter

Bekämpfung des Frauenhandels nach internationalem und österreichischem Recht

Österreich Verlag, Wien 2000
ISBN 9783704616463
Broschiert, 246 Seiten, 28,02 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Manfred Nowak und Hannes Tretter. Nach einer Einführung in die Terminologie folgt eine Darstellung relevanter internationaler Standards der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und des Europarates. Der Schwerpunkt liegt auf der menschenrechtlichen Perspektive.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.04.2001

Frauenhandel ist ein einträgliches Geschäft. Die EU-Kommission schätzte 1998 die Zahl der Opfer allein in Westeuropa auf eine halbe Million, das BKA vermutet für Deutschland einen Jahresumsatz der Frauenhändler von 120 Milliarden Mark, informiert Roland Schönbauer. Da ist es nur notwendig und längst überfällig, sich mit dem Thema genauer und weitläufiger zu beschäftigen, was die Verfasserinnen zweier Studien auch getan hätten. Einer Kritik enthält sich der Rezensent. Er referiert vielmehr die zentralen Ergebnisse und die Kritik der Autorinnen am Umgang mit dem Frauenhandel seitens der Staats- und Rechtssysteme einzelner europäischer Länder.
1) Niesner/Jones-Pauly: "Frauenhandel in Europa". Strafverfolgung und Opferschutz im europäischen Vergleich
Elvira Niesner und Christina Jones-Pauly vom Frankfurter Institut für Frauenforschung bemängeln vor allem, dass in der Bundesrepublik der Freierbeweis keine Gültigkeit habe. Zudem stünde in der wohlbedacht errichteten Festung Europa in den meisten Ländern das Verwaltungsrecht im Vordergrund. Das bedeute für betroffene Frauen, dass sie bei einer Anzeige ihrer Peiniger damit rechnen müssten, als erstes selbst der Strafverfolgung wegen illegaler Einwanderung zu erliegen. Letztlich verhielten sich die Staaten dann nicht anders als die Täter, die die Opfer mit ihrem illegalen Status unter dauerhaften Druck setzten. Der Rezensent berichtet, dass die Autorinnen, die Polen, Tschechien, Österreich, Deutschland, Belgien und Italien miteinander verglichen haben, einzig Italien zuerkennen, einen humanitäreren Ansatz im Asylrecht und damit auch bei der sexuellen Ausbeutung von Frauen zu vertreten. Denn diese beiden Aspekte könne man nach Ansicht der Autorinnen und auch des Rezensenten nicht voneinander trennen.
2) Kartusch/Knaus/Reiter: "Bekämpfung des Frauenhandels nach internationalem und österreichischem Recht"
Die Autorinnen der Studie des Wiener Ludwig-Boltzmann-Instituts für Menschenrechte betonen einen weiteren wichtigen Aspekt des Frauenhandels, schreibt Schönbauer. Viele Behörden seien nicht bereit, die Opfer anzuerkennen und ihnen juristische Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Im Gegenteil. Prostitution gelte als etwas unanständiges, das eben auch diese Frauen ausübten. Außerdem kritisieren die Autorinnen die Konvention zur Unterdrückung des Menschenhandels aus dem Jahr 1949. Sie geht ihnen nicht weit genug. denn sie sei auf Prostitution beschränkt und ließe andere Ausbeutungsverhältnisse wie die in Gogo-Bars, Bistros und Massage-Salons, die im billigen Textilgewerbe oder den äußerst lukrativen Frauenhandel "Heiratvermittlung" außer Acht.