Andrew Sean Greer

Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli

Roman
Cover: Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783100278159
Gebunden, 348 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling. Max Tivolis Leben verläuft rückwärts: als Greis geboren, verlässt er die Welt als Kind. Als das Erdbeben San Francisco erschüttert, ist er Mitte dreißig, und gegen Ende seines Lebens werden die ersten Radios in Autos eingebaut. Im Zentrum aber steht Alice, die Max sein Leben lang liebt, doch als sie jung ist, wirkt er alt, und als sie älter wird, ist er ein Kind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2005

Der Rezensent Tilman Urbach hat durchaus einen Menge Positives über diesen Roman zu sagen - und findet ihn in letzter Konsequenz doch geradezu tragisch, weil er unter seinen Möglichkeiten bleibt. Er empfindet als Schwäche des Buches, dass er "bis an den Rand des Klischees" die Leser-Sehnsucht nach Literatur, die ins "traumhaft ahnungsvolle Zwischenreich der Gefühle gescheiterter, oft monströs genialischer Sonderlinge entführt" bedient. Dass es auch anders sein könnte, beweist Andrew Sean Greer in einem Moment, an dem die Geschichte in einem unerwarteten Seitenstrang wirklichen Zauber entfaltet. Zu den Stärken rechnet, wie "schwebend märchenhaft" Greer die geschichte erzählt. Ihm gefällt auch, wie feinfühlig sich der Autor dem Thema nähert und wie viel Einsicht er in "die labyrinthischen Irrwege, die uns unsere Sehnsuchtsbilder aufgeben" beweist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2005

Der Protagonist namens Max Tivoli hat eine völlig ausgefallene Krankheit, er altert nämlich rückwärts, d.h. er wird immer jünger, während seine Umgebung normal altert. Das kann einen schon in seltsame Situationen bringen, versichert Gustav Mechlenburg, der Andrew Sean Greers Roman mit einem Schmunzeln gelesen hat. Meistens ist Tivoli entweder zu alt oder zu jung für alles, auch seine Ehe kann er naturgemäß nicht halten oder retten. So sei Tivoli auch ein unheilbar Liebeskranker, der im Sandkasten hockt, mit Förmchen spielt und der Stimme der von ihm geliebten Frau auf der Bank lauscht, die seiner Mutter zu sein scheint, in Wahrheit aber mal seine Frau war, berichtet Mechlenburg amüsiert. Greer habe literarische Anleihen bei Lewis Carrol und Vladimir Nabokov gemacht, verfüge über großes Stilvermögen und eine teilweise bittere Ironie. Wem die Geschichte zu konstruiert erscheint, der könne getrost die großartigen Beschreibungen San Franciscos um die vorletzte Jahrhundertwende und der technischen Neuerungen jener Zeit als Buch im Buch lesen und von dem ganzen Liebesgeraune abstrahieren, empfiehlt der Rezensent.
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