Andreas Rosenfelder

Digitale Paradiese

Von der schrecklichen Schönheit der Computerspiele
Cover: Digitale Paradiese
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2008
ISBN 9783462039559
Gebunden, 192 Seiten, 8,95 EUR

Klappentext

Nie zuvor ist über Computerspiele so klug und unterhaltsam geschrieben worden: Eine Entdeckungsreise in die seltsame Welt der elektronischen Spiele Computerspiele waren über Jahrzehnte der Inbegriff purer Zeitverschwendung: Wer sich in digitalen Labyrinthen und Katakomben herumtrieb, verabscheute Frischluft, hatte keine Freunde und verdarb sich mit Monsterjagd und Punktesammeln das Gehirn. Inzwischen ist das anders. In den Rechnern, die lange nur als Wunschmaschinen für lichtscheue Jungs galten, sind blühende Landschaften und ganze Kontinente herangereift. Die wirkliche Erde erscheint dagegen heute fast so verbraucht wie ein altes Telespiel, das ein paarmal zu oft durchgespielt wurde. Wenn irgendwo noch Neuland zu besiedeln und unberührte Erde zu betreten ist, dann im Zauberreich hinter dem Monitor. Hier finden alle durch die Geschichte spukenden Utopien und Menschheitsträume eine neue Heimat. Aber auch die elektronischen Eldorados verwandeln sich, wie das Beispiel Second Life zeigt, in Rekordgeschwindigkeit in zertrampeltes Ödland. Es ist also längst nicht alles neu in der schönen neuen Spielewelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.06.2008

Als Einführung in die Spiele-Welt taugt das Buch durchaus, findet Stefan Heidenreich und meint vor allem den persönlichen Zugang des Autors, Andreas Rosenfelders Sozialisation als Leser und Spieler. Was Heidenreich vermisst, die Erkenntnis, dass Spielen eine Kulturtechnik wie andere auch und also Teil der Welt ist, nebst einer Auswertung aktueller Studien zu Computerspielen, wird durch Rosenfelders kulturhistorische Streifzüge zu Baudelaire und Adorno allerdings leider nicht kompensiert. Laut Heidenreich jedenfalls führt das nicht weiter beziehungsweise in gedankliche Tiefe. Dass die Spielewelt und ihre Genres von Rosenfelder "bruchstückhaft" und ohne erkennbares Prinzip durchforstet wird und das Phänomen der Spiel-Varianten wie auch der Markt, die gesamte Ökonomie dahinter kaum Würdigung finden und Heidenreich das Buch dennoch empfehlen kann, verwundert. Sehr stark müssen die von ihm als spannend beurteilten reportageartigen Passagen sein über Spiele-Entwickler in Kiew und die Erfahrungen einer Counterstrikerin. Und eben jene, in denen der Autor aus eigener Erfahrung schreibt.
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