Andreas Maier

Die Verführung

Thomas Bernhards Prosa. Dissertation
Cover: Die Verführung
Wallstein Verlag, Göttingen 2004
ISBN 9783892448594
Broschiert, 304 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Der Schriftsteller Thomas Bernhard wird von dem Schriftsteller Andreas Maier durchleuchtet. Thomas Bernhards Prosa, so der Autor Maier, kündet von unausweichlichem Wahrheitsfanatismus. Andreas Maier unterzieht das Prosawerk Bernhards einer radikalen Kritik. Ebenso polemisch wie exakt nimmt er die Bernhardschen Texte in den Blick, wie dies bisher noch keiner getan hat. Der Autor stellt das öffentliche Bild von Bernhard geradezu auf den Kopf, und als Leitfaden der Arbeit liest sich ein gewichtiger Vorwurf an den Kollegen: permanente Verstellung als Stilisierung. Maier schildert minutiös die Selbstaufgabe des Lesers bei der Lektüre Bernhards, und er weist die rhetorischen und kompositorischen Strukturen auf, mit denen die Texte den Leser zu dieser Selbstaufgabe zwingen. Bernhards Genialität besteht für den Prosaisten in der verblüffend perfekten und einfachen Art, den Leser dazu zu bewegen, Werk und Person Thomas Bernhards genau die Bedeutung zuzuschreiben, die Bernhard zugeschrieben haben wollte: nämlich beim Äußersten und Nicht-mehr-Hintergehbaren angekommen zu sein.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.06.2005

Rezensent Jan Süselbeck kann offensichtlich nicht glauben, was er hier liest. Der junge, viel gefeierte deutsche Autor Andreas Maier rechnet in seiner Dissertation mit jenem Klassiker ab, mit dem man sein Werk bisher durchaus in Verbindung gebracht hat, nämlich mit Thomas Bernhard. So weit, so gut, nur: Er gehe dabei mit einer literaturwissenschaftlichen Naivität zu Werke, die die Grenzen zum Bizarren schon überschreitet. Der Hauptvorwurf gegen Bernhard ist ein durch und durch moralischer, und zwar der, es gehe in seinem Werk vor allem um Selbststilisierung, um das Ausweichen vor Eindeutigkeit und Festlegung. Das bewege sich, so Süselbeck bündig, auf dem Niveau "österreichischer Boulevardblattleser". Maier hat sich mit der Veröffentlichung seiner Dissertation, wird man unumwunden schließen können, keinen Gefallen getan.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2005

Paul Jandl wundert sich nicht wenig über diese "Abrechnung" des deutschen Schriftstellers Andreas Maier mit Thomas Bernhard. Maier wirft seinem österreichischen Kollegen nämlich vor, es in seinen Romanen und autobiografischen Schriften mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen und außerdem bei weitem nicht der "philosophische Kopf" zu sein, für den er gehalten wird, erklärt der Rezensent. Die Studie, die an ausgewählten Beispielen von Bernhards Prosa versucht, den "Bluff" der Bernhardschen Texte herauszuarbeiten, sei ein "Exzess an Genauigkeit", der zudem in "humorfreiem Ton" vorgetragen wird, kritisiert Jandl. Aber er findet die Erörterungen Maiers letztlich trotzdem "erhellend", denn "selten wird Thomas Bernhard so genau gelesen". Dadurch entstehe das "paradoxe" Phänomen einer "negativen Theologie", so der Rezensent weiter, der es sich nicht verkneifen kann darauf hinzuweisen, dass die Akribie, mit der Maier bei seiner "ausufernden Studie" zu Werke geht, den "Wissenschaftsfanatikern", die Bernhards Texte bevölkern, alle "Ehre gemacht hätte".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.02.2005

Die Verführung, das ist in diesem Falle Thomas Bernhards Prosa, die der Schriftsteller Andreas Maier "unters philologische Mikroskop" gelegt hat, um die Substanz hinter dem Sog zu erschließen. Und da ist überraschend wenig, wie der Rezensent Ralf Berhorst einigermaßen erstaunt konstatiert. Vor allem das Frühwerk, in dessen Monologströme Maier die Filter seiner kritischen Demontage gestellt hat, offenbart jede Menge Unlogisches und heiße Luft, gedacht offenbar zur bloßen "Suggestion von Größe, Wahrheit, Tiefe" (Maier). "Will Andreas Maier Thomas Bernhard als Prosa-Hochstapler entlarven?" Die Frage bleibt unbeantwortet, genauso wie der abschließende Widerspruch von Berhorsts Lektüreerfahrung: Einerseits hat er ein kluges und jargonfreies Buch gelesen, "luzide, sorgfältig abwägende Wissenschaftsprosa", die im Gegensatz zu den Bernhardschen Effektsätzen substanziell fundiert ist. Andererseits kriegt er schon wieder Lust, der Verführung zu folgen und Bernhard zu lesen.

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