Seine Geschichte beginnt vor ziemlich genau 150 Jahren, im New York der 1850er Jahre. In amerikanischen Hotels der Ostküste sind Fahrstühle bereits zehn Jahre später die Regel, in Europa verläuft die Ausbreitung etwas langsamer. Doch einige Jahrzehnte später ist er hier wie dort eine urbane Selbstverständlichkeit. So unscheinbar sich diese Neuerung auf den ersten Blick ausnimmt: Sie hatte mannigfache Auswirkungen, von der Umstrukturierung der Häuser bis zur literarischen Imagination, die sich mit diesem beweglichen Ort verband. Andreas Bernard verbindet in seiner Darstellung dieser Geschichte Technikgeschichte, Architektur, Prozesse der Modernisierung und Urbanisierung, Alltagsphänomene und Literatur- und Filmanalyse.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2007
Der etwas trockene Titel dieser als Dissertation entstandenen Studie über den Fahrstuhl lässt in Angela Gutzeit Befürchtungen aufkommen, die sich dann keineswegs bewahrheiten. Im Gegenteil, sie freut sich über die kenntnisreichen Verknüpfungen, die Andreas Bernard als Kulturwissenschaftler und Journalist durch alle möglichen Wissensgebiete, von der Soziologie über Architekturgeschichte, Psychopathologie und Literaturwissenschaft bis hin zur Sittengeschichte aufzudecken imstande ist. Dabei gehe es ihm nicht um ein bloßes Nachvollziehen der Geschichte, sondern um das Auffinden der "Umschlagspunkte" in der historischen Entwicklung und das Aufdecken des "Unbewussten der Epoche", erläutert die Rezensentin das Ziel des Autors. Sie wäre rundum begeistert von diesem Buch, wäre die Aufmachung des Bandes nicht insgesamt etwas ärmlich ausgefallen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006
Wer dies Buch gelesen hat, wird die Fahrstühle der Welt mit anderen Augen sehen, verspricht Rezensent Heinrich Wefing. Denn diese Geschichte ist weit mehr als eine Sammlung von Fakten zur Entwicklung einer neuen Technik - freilich erfährt man dazu offenbar auch eine Menge. Der Aufzug, das kann Andreas Bernard belegen, hat vielmehr Kulturgeschichte geschrieben. Nicht zuletzt hat er das Leben in Häusern grundlegend verändert. Vor dem Aufzug nämlich war unten, die Beletage, das Höchste. Heutzutage gönnt man sich im Penthouse, zu dem einen der Fahrstuhl transportiert, den Luxus der Erdenthobenheit. Wolkenkratzer wären ohne Fahrstuhl selbstredend unmöglich, ja, Bernard spricht sogar von einer "Hausmannisierung" des Häuserbaus im Gefolge der Gründung der "Otis Elevator Company" im Jahre 1853. Auch wenn, wie Wefing kurz anmerkt, der Autor gelegentlich vom eigenen Deutungsschwung ein wenig aus der Kurve getragen werde: Eine Augen öffnende und "faszinierende Studie" ist das allemal.
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