Clark Blaise

Die Zähmung der Zeit

Sir Sandford Fleming und die Erfindung der Weltzeit
Cover: Die Zähmung der Zeit
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783100071095
Gebunden, 316 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Hans Günter Holl. Im Jahre 1876 verpasste der kanadische Ingenieur Sandford Fleming auf einem Bahnhof in Irland seinen Zug. Dieses Missgeschick war für Fleming der Anlass, nach einem Konzept zu suchen, mit dem man die bestehenden regionalen Zeitunterschiede innerhalb der verschiedenen Länder systematisch festlegen konnte. Er teilte die Welt, gemäß der Uhr, in 24 Zeitzonen ein. Fleming schuf damit ein grundlegendes System, ohne das unser Zeitalter der Globalisierung nicht denkbar wäre. Selbst an viktorianischen Maßstäben gemessen, war Sir Sandford Fleming (1827-1915) ein Mann von außerordentlichen Qualitäten; unter anderem war er verantwortlich für die Verlegung des Pazifikkabels von London bis Australien. Sein Lebenswerk allerdings war die Erfindung der Weltzeit und der Kampf für ihre Einführung. Neben der faszinierenden Biografie Flemings, die auf dessen Tagebüchern, Briefen und Notizen basiert, zeichnet Clark Blaise das Bild einer Epoche, in der der technische Fortschritt und die Entwicklung der Naturwissenschaften im Eilschritt vonstatten gingen und jeder Gentleman sich als Pionier der neuen Wissenschaften verstand.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2001

An sein ungenanntes Vorbild, Dava Sobels "Längengrad", reiche Blaises Geschichte der Weltzeit in keiner Weise heran, behauptet Arndt Brendecke. Erstens gingen dem Autor viele historische Kenntnisse ab, die der kundige Rezensent dem Leser zugleich unterbreitet, weshalb dem Buch der philosophische Tiefgang fehle. Des weiteren bleibt der im Untertitel genannte Erfinder der Weltzeit, ein kanadischer Ingenieur namens Sandford Fleming, für Brendecke eine blasse Figur, die den Autor nur zu einem "Exkurs unter Exkursen" animiert habe. Der Autor gefalle sich in vielen Einzeldarstellungen und inhaltlichen Abschweifungen, anderes wiederum findet Brendecke "erschreckend naiv", etwa wenn Blaise die Erfindung der Standardzeit synonym mit Vernunft setzt. Insgesamt, resümiert der Rezensent, hat man das alles schon mal interessanter und besser gelesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2001

Manuela Lenzen erzählt in ihrer Rezension zunächst ausführlich, wie Sandford Fleming über Jahre hinweg für eine verbindliche Weltzeit gekämpft hat, wobei dem Leser allerdings nicht immer deutlich wird, inwiefern Lenzen ihre Informationen aus dem vorliegenden Buch bezogen hat. Allerdings scheint sie recht angetan davon zu sein, dass Blaise hier "das ganze Panorama der Epoche" aufspannt und auch einem veränderten Zeitbewusstsein in "Wissenschaft, Malerei und Dichtkunst, in Romanen, Moralvorstellungen und Psychologie" auf der Spur ist. Mit einer dezidierten Bewertung dieses Bandes hält sich Lenzen sehr zurück, doch immerhin verrät sie, dass man in diesem Buch auch "amüsante Dinge" erfahren kann: Etwa dass "die Beschäftigung mit Strom, anders als die mit Dampfkraft, als unmännlich galt".
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