1968: Teo, eine junge Laotin, kommt am Berliner Ostbahnhof an. Es ist die Liebe, die sie in die DDR führt, weit weg von ihrer Familie. Doch ihr neues Leben in Potsdam, scheinbar ein sozialistisches Idyll, ist schwer, und auch perfektes Deutsch kommt gegen die Fremdheit, die man sie als Asiatin jeden Tag spüren lässt, nicht an. - Weihnachten 1982: André, Teos Sohn, ist dreizehn und wünscht sich nur eines: den Schikanen seiner Lehrerin entgehen und möglichst nicht auffallen, was nicht so einfach ist als halblaotischer DDR-Bürger mit einem behinderten jüngeren Bruder. Trotzdem ist eigentlich alles ganz schön, solange seine Mutter nicht wieder krank wird, solange sein Bruder nicht ausrastet, solange die Mutter und die Großmutter sich vertragen. Doch dann erschüttern mehrere Schicksalsschläge die Familie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2024
Ein weiteres Mal widmet sich André Kubiczek dem Leben in der Spätphase der DDR, erfahren wir von Rezensent Wolfgang Schneider. Im Zentrum des autobiografisch angelegten Romans steht diesmal die Mutter des Autors, Tochter einer Oberschichtsfamilie aus Laos, die einen Arbeiter aus der DDR heiratet. Sowohl der laotischen Familie als auch der DDR-Regierung ist die Verbindung verdächtig, so der Rezensent, was für Verwicklungen sorgt. Erzählt wird aus der Perspektive des Sohnes André, wodurch auch viel jugendliche DDR-Lebenswelt mitsamt heimlich in den Osten geschmuggelten West-Kasetten in die Erzählung schwappt. Außerdem wird der DDR-Alltagsrassismus thematisiert, das Leiden eines behinderten Bruders des Erzählers sowie die Krankheit der Mutter - deren Innenleben der Roman gelegentlich ebenfalls ausleuchtet, was Schneider zufolge nicht unbedingt eine erzählerisch elegante Lösung ist, aber dem Buch eine wertvolle weitere Ebene hinzufügt. Ein paar Längen hat das Buch schon, gesteht der Rezensent ein, insgesamt jedoch fügt Kubiczek der DDR-Erinnerungsliteratur aufgrund der laotischen Perspektive durchaus etwas Neues hinzu. Und man kommt dem Leiden, das Kubiczeks Schreiben durchweg bestimmt, durchaus ziemlich nahe in diesem Buch, schließt die Besprechung.
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