Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751810425 Gebunden, 520 Seiten, 32,00
EUR
Klappentext
Aus dem Russischen neu übersetzt von Christiane Körner. Mit einem Nachwort des Historikers Bert Hoppe, das die geschichtlichen Ereignisse nachzeichnet. Und einem Nachwort der Autorin Kateryna Mishchenko, die sich mit Kusnezows Werk vor dem Hintergrund der russischen Invasion in der Ukraine 2022 auseinandersetzt. "Alles in diesem Buch ist wahr" - mit diesen Worten beginnt Anatoli Kusnezows literarisches Dokument über eines der furchtbarsten Verbrechen der deutschen Besatzung: das Massaker von Babyn Jar. Im September 1941 wurden in einer Schlucht nahe Kyjiw innerhalb von zwei Tagen mehr als 33 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder von den Nationalsozialisten ermordet. Kusnezow, damals zwölf Jahre alt, erlebte den deutschen Einmarsch, die Terrorherrschaft der Besatzer und die Rückeroberung durch die Rote Armee aus nächster Nähe. Jahrzehnte später schuf er mit "Babyn Jar" ein Werk, das von hemmungslosen Grausamkeiten erzählt, von Hunger, Angst und Überleben. In der Sowjetunion wurde "Babyn Jar" zensiert, erst nach Kusnezows Flucht in den Westen konnte der Text in vollständiger Fassung erscheinen - mit jenen Passagen, die gestrichen worden waren, und jenen, die er sich damals selbst nicht zu schreiben getraut hatte.
Rezensent Jens Uthoff freut sich sehr über die Wiederveröffentlichung dieses "großen Zeitzeugenromans" des ukrainischen Autors, der hier versucht, der Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung von Kyjiw im Tal Babyn Jar sprachlich zu begegnen: Der dokumentarisch erzählte, von jeglichen Erfindungen befreite Text ringt merklich damit, eine angemessene Sprache für diese Gewalttaten zu finden, ist vielmehr von Sprachskepsis durchzogen, bemerkt der Kritiker. Die Stimme des zu dieser Zeit, 1941, zwölfjährigen Autors vermischt sich mit seiner erwachsenen Haltung in dem Versuch, das Massaker begreiflich zu machen, analysiert der Kritiker. Babyn Jar werde, das mache der Text deutlich, gleichzeitig zu einem Beispiel für die Krisen der Erinnerungskultur, da die Errichtung eines Denkmals schon in der Sowjetzeit aus antisemitischen Gründen verhindert wurde - die heute dort stehenden Mahnmale seien demnach keine Selbstverständlichkeit. Ein weiteres Echo für die Gegenwart sieht der Rezensent in der Beschreibung totalitärer Vorgehensweisen, die sich mit erschreckender Genauigkeit auf derzeitige Entwicklungen - Russland, die USA - übertragen lassen.
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