Ana Marwan

Verpuppt

Roman
Cover: Verpuppt
Otto Müller Verlag, Salzburg 2023
ISBN 9783701313020
Gebunden, 220 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof. Rita findet sich nicht zurecht in der Welt. Ihr Leben lang hat sie sich in Genügsamkeit und Akzeptanz geübt; früh kommt sie zu der Erkenntnis, dass sich Träume oder Dinge, die verlorengehen, durch andere ersetzen lassen. Durch Beobachtung stellt sie fest: Der Mensch ist ein Gefäß, in das über die Jahre alles hineinkommt von außen - Meinungen, Verhaltensweisen, Gesten... Das Leben betrachtet sie als eine reine Aneinanderreihung von Spielchen; je nach Situation wird diese oder jene Version der eignen Person zur Schau gestellt und vor sich hergetragen. Was aus ihr werden soll, weiß sie nicht. Um das Chaos ihrer Welt zu bändigen, schreibt sie Geschichten, gestaltet Wahrheiten, erfindet sich Gefährten wie Ivo Jež, der - wie sie - im Ministerium tätig ist, Abteilung Raumfahrt. Oder handelt es sich um eine andere Art von Einrichtung und Ivo ist ein Mitpatient?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.02.2023

Schon an der Textgestalt erkennt Rezensentin Wiebke Porombka, dass der neue Roman der slowenischen Autorin Ana Marwan kein herkömmliches Buch ist. Der Text ist fragmentarisch aufgebaut, so die Kritikerin, kurze Passagen werden von kursiven Textabschnitten unterbrochen. Vieles ist in diesem Roman unsicher. So wie sich die Autorin nicht auf eine klare Form festlegen will, ist auch inhaltlich vieles in der Schwebe, meint Porombka. In der Schilderung der Hauptfigur Rita, die sich an der Schwelle zum Frauwerden befindet, lasse die Autorin häufig offen, ob das was ihr passiert, ein Klinikaufenthalt oder die Begegnung mit ihrem Gegenspieler, Realität ist oder nur Imagination. Aber gerade in dieser Unstetigkeit ist der Roman konsequent, dabei "sprachlich fabelhaft", abwechselnd witzig und melancholisch, lobt die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.02.2023

Rezensentin Doris Akrap ist begeistert von Ana Marwans Coming-of-Age-Roman. Er erzählt vom "Ich-Werden" der eigenwilligen jungen Rita mit blühender Fantasie, die von ihrer überforderten Mutter in eine Psychiatrie abgeschoben wird und dort den 30 Jahre älteren Herrn Jež kennenlernt, in dem sie einen Seelenverwandten sieht. Dass das "cheesy und schlüpfrig" klinge - Akrap zitiert etwa die wiederholt auftauchende Metapher eines zum Veilchen oder zur Primel aufblühenden Samens - sei dabei zur Faszination der Kritikerin aber "beabsichtigtes Glatteis": Äußerst spannend findet sie, wie die slowenische Schriftstellerin dieses Tabuthema verhandelt. Ergänzt werde die Geschichte um ein Verwirrspiel bezüglich der Erzählsituation (- handelt es sich etwa um ein schreibtherapeutisches Projekt? Existiert Herr Jež überhaupt?), das Marwan trotz Ermüdungsgefahr schlussendlich geschickt aufrecht zu erhalten wisse, lobt Akrap. Ein toller und von Klaus Detlef Olof gelungen übersetzter Roman, findet sie.

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