Amos Oz

Judas

Roman
Cover: Judas
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783518424797
Gebunden, 335 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Das Leben des jungen Schmuel Asch ändert sich im Winter 1959 von Grund auf: Seine Freundin verlässt ihn, seine Eltern melden Konkurs an, und er muss sein Universitätsstudium abbrechen. Verzweifelt findet er Unterschlupf und Arbeit in einem alten Jerusalemer Haus als Gesellschafter für einen behinderten, rhetorisch gewandten Mann. Als Schmuel sein neues Domizil bezieht, begegnet er der schönen und aufregenden Atalja Abrabanel, die beinah doppelt so alt ist wie er. Sie macht ihm klar, dass es besser wäre, sich nicht in sie zu verlieben, andernfalls würde er seinen Arbeitsplatz sofort verlieren, wie alle seine Vorgänger. Im Innern des schüchternen und sensiblen Schmuel bricht ein Sturm los. Die Begierde nach Atalja und seine Neugier wandeln sich langsam in eine verzweifelte Verliebtheit. Er beginnt wieder sich mit seiner Forschungsarbeit über "Jesus in der Perspektive der Juden" zu beschäftigen und verliert sich in dem geheimnisvollen Sog, den Judas Ischariot, die Verkörperung des Verrats und der Niedertracht, auf ihn ausübt. Und allmählich entschlüsselt er die Geheimnisse, die in diesem dunklen und einsamen Haus geistern und in die seine Bewohner auf dunkle Art verstrickt sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2015

Katharina Teutsch scheint unter dem Zwang zu stehen, einfach alles, was dieser Autor schreibt, gut zu finden. Zwar findet sie die Anlage des neuen Romans von Amoz Oz zu programmatisch, die Figuren und ihre Taten wie aus einem Lehrgedicht, den Inhalt wie ein Kaleidoskop akademischer Positionen zur Religions- und Staatsfrage Israels, doch bezeichnet sie das Buch über einen verliebten idealistischen israelischen Studenten im Winter 1959/60 schließlich doch als großen politischen Roman. Oz gelingt es in feinen Betrachtungen, Weltpolitik und Religionsgeschichte virtuos zusammenzuführen, versichert sie.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.03.2015

Sehr bereitwillig lässt sich Rezensent Dirk Knipphals von Amos Oz auf eine Reise durch die Geschichte nehmen: In "Judas" vermengen sich die Gegenwart des Romans um 1960 mit der israelischen Staatsgründung 1948 und der Zeit von Jesus. Ausgehend von einem alten Haus mit Geheimnissen, die sich erst im Laufe des Romans zu erkennn geben, führt Oz auf altmeisterlich lässige Art ganz tief in die Geschichte Israels und des Judentums hinein, mit einem besonderen Blick auf die biblische Figur des Judas, die hier eine Neuinterpretation durch den Autor erfährt, so der Rezensent. Dass sich das Buch nicht expressis verbis zum Kommentar zur aktuellen politischen Lage im Nahen Osten aufschwingt und trotz seiner historischen Tiefe stets auch sehr sinnlich durch das historische Jerusalem führt, gefällt dem Kritiker dabei ganz besonders.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2015

Mit großer Bewunderung bespricht Rezensent Stephan Speicher Amos Oz' neuen Roman "Judas", der ihm als "Kammerspiel" über den Nahost-Konflikt erscheint. Und als sei die Tatsache, innerhalb des kleinen Figuren-Ensembles durch vielerlei Anspielungen und Zitate, nicht zuletzt auch Nahum Goldmanns, verschiedene Position zum Verhältnis zwischen Juden und Arabern abzudecken, nicht schon außergewöhnlich genug, gelingt es Oz auch noch von dem jungen Staat Israel, der Beziehung zwischen Juden und Christen und dem historischen Jesus zu erzählen und dabei eine neuen Blick auf Judas zu werfen, verrät der Kritiker. Den interessanten und klugen Gesprächen, die dies alles in diesem Roman nicht nur kongenial verbinden sondern auch spiegeln, hat der Rezensent nur zu gerne gelauscht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.03.2015

Hymnisch bespricht Rezensent Martin Oehlen Amos Oz' neuen Roman "Judas", der nicht nur die in Jerusalem im Winter 1959/60 spielende Geschichte des Studenten Schmuel, der nach dem Scheitern seiner Magisterarbeit einem körperlich behinderten älteren Mann und seiner schönen verwitweten Schwiegertochter täglich Gesellschaft leistet, erzählt, sondern diese auch meisterhaft mit einer neuen Perspektive auf Judas verbindet. Und so liest der Kritiker gebannt diese Geschichte um Glaube, Liebe und Verrat, erlebt die Trauer um den im Krieg von 1948 gefallenen Sohn im Hause des alten Mannes, Diskussionen um ein mögliches Ende des Konfliktes zwischen Juden und Palästinensern und Anklagen an die Religionen als Verursacher der Kriege. Darüber hinaus folgt er den von Oz anhand brillanter Recherche und in Tradition seines Großonkels Joseph Klausner geschriebenen Ausführungen über Jesus als jüdischen Reformer und Judas, der Jesus nur ans Kreuz lieferte, um somit das Christentum zu begründen. Nicht zuletzt lobt der Rezensent Mirjam Pressler, die diesen glänzenden, melancholischen, rührenden und zugleich humorvollen Roman gelungen ins Deutsche überträgt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2015

Ein Buch für Leute mit Interesse an Verrätern, an Israel und an Menschen legt uns Hannes Stein ans Herz. In diesem Buch möchte er wohnen, beteuert er. Als reifes Meisterwerk bezeichnet er den Roman von Amos Oz wegen seiner Spannung, seiner Weisheit, seinem Humor und seinen "runden" Figuren, die ihm ans Herz wachsen. Dass Miriam Pressler das Hebräische in ein elegantes Deutsch übertragen hat, scheint ihm auch wichtig. Der Leser lernt aus der Geschichte um den jungen Schmuel Asch während der Zwischenkriegszeit eine Menge über Gott und die Welt, ganz wie in einem russischen Roman, versichert Stein. Vor allem aber lernt er viel über Israel kennen, das Verhältnis der Juden zum Christentum, über den antinationalen Idealismus und die Furcht der Zionisten. Dass der Autor Meinungen gleichberechtigt nebeneinanderstellt, ohne zu richten, findet Stein groß.