Aus dem Hebräischen von Ruth Melcer. Lilly hat kein Glück mit Männern. Die 112 kg schwere Dentalhygienikerin aus Tel Aviv wird kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten sitzen gelassen und fristet ihr Singledasein. Eine Taxifahrt zum Zirkus und das Treffen mit einem alten Liebhaber, der jetzt Tigerdompteur ist, stellt ihr Leben auf den Kopf: sie bekommt ein Tigerbaby geschenkt. Ebenso rasant, wie das Tigerjunge wächst, verändert sich Lilly. Sie wird selbstbewusster, aggressiver und in den Abendstunden geht sie auf Beutezug in den Bars von Tel Aviv ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2007
Sehr eingenommen ist Rezensent Marius Meller für Alona Kimhis Roman "Lilly die Tigerin". Das Werk erfüllt für ihn "perfekt" alle Anforderungen des Frauenromans, um dieses Genre zugleich zu sprengen. Er attestiert der Autorin, in ihrer Geschichte über die übergewichtige Dentalhygienikerin Lilly, die sich auf der Suche nach Mr. Right durch die Betten Tel Avis schläft, bis sie sich in eine Tigerin verwandelt, souverän mit den Versatzstücken des Frauenromans zu spielen. Hinreißend findet er Kimhis Sprachwitz, ihren grotesken Humor und ihren präzisen Blick auf menschliche Unzulänglichkeiten. Auch der Anspielungsreichtum des Romans und seine raffinierte Konstruktion haben es ihm angetan. Schließlich lobt er die "motivische Subtilität" und das "mythologische Interesse" der Autorin an den jüdischen Urkategorien rein und unrein. Das Ergebnis ist für Meller weit mehr als nur ein klischeehafter Frauenroman, nämlich ein "Frauenroman wie von Kafka".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2006
Christoph Haas ärgert sich über Alona Kimhis neuen Roman. Eine "aufreizend geschmacklose Schmonzette" sei die Geschichte über die übergewichtige Dentalhygienikerin Lilly aus Tel Aviv, die - sitzengelassen von einem stattlichen Offizier der israelischen Armee - neues Glück mit dem Tigerbändiger Taro findet. Vor "keiner Peinlichkeit" schrecke die Autorin zurück, schimpft Hass, ob nun Sex mit Kindern und Minderjährigen oder eingehende Beschreibungen von körperlichen Ausscheidungen. In diesem "geschmacklosen Durcheinander" sei nur eine Figur interessant: der Zuhälter Tschengis Magometov, genannt "der Greifer", erinnere an die Mafiosi in den Filmen Martin Scorceses.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2006
Um Gewalt an Frauen gehe es in "Lilly die Tigerin", berichtet Rezensentin Bernadette Conrad, bis die Tigerin zuletzt mit "animalischer Macht" reagiert. Alona Kimhi beschreibe knallharte realistische Szenen mit "poetischer Genauigkeit". So entsteht eine ungemein "kunstvolle" Prosa, die im Bild der Tigerin kulminiert. Für ein "utopisches" Bild hält die Rezensentin die Dreier-Freundschaft der Tigerin mit Ninusch und Michaela, das ihr wie ein kleines Modell des Himmels auf Erden erscheint. Die Gewaltthematik im Roman und das dargestellte Problem der "Verinnerlichung" hat ihre Wurzeln zum Teil in der Biografie der Autorin, informiert Conrad noch, und ist nicht nur Abbild des heutigen Israel.
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