Lukrezia und Cesare Borgia sind die unvergessenen Papstkinder. Sie leben mit dem zweifelhaften Ruf von Giftmischerei und sexueller Verderbtheit zwischen Legende und Geschichte. Ihr Vater Papst Alexander VI. hatte noch acht weitere Kinder, und er dachte nicht daran, sie zu verstecken. Die übliche Papstliteratur befasst sich kaum mit diesem heiklen Thema und will den angeblich dunklen Fleck in der Geschichte nicht vorzeigen. Grund genug, nicht nur nach den Borgia-Kindern zu fragen, sondern auch den anderen Kindern der Renaissancepäpste nachzuspüren.Die Situation dieser Kinder und ihrer Mütter, die Hintergründe des Phänomens in einer faszinierenden Epoche sowie die politischen Auswirkungen der Doppelrolle Vater und Papst erfahren eine differenzierte Darstellung ohne moralische Etikettierung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.06.2003
Der Rezensent mit dem Kürzel cjos enthält sich leider einer klaren Bewertung dieses Buches. So scheint es ihm zwar zunächst gefallen zu haben, dass Uhl das "heiße Eisen" der Papstkinder nicht, wie der Leser erfährt, in der Manier protestantischer "Miesepeter" behandelt. Uhl habe vielmehr, berichtet der Rezensent dann allerdings schon mit leicht ironischem Unterton, kein Problem damit, die "lebensbejahende und sinnenfrohe Zeit" der Renaissance ganz "unverkrampft" und in "zeitgemäßer Sprache" darzustellen; Papst Julius II etwa nenne er den "Power-Papst". In Uhls Darstellung der Beziehungen zwischen den Heiligen Vätern und ihren Kindern menschele es gehörig, berichtet der Rezensent weiter, und es seien geradezu Ansätze eines bürgerlichen Familienlebens, die der Autor da bei den Renaissance-Päpsten entdeckt haben will. Mit noch deutlicher ironischem Unterton charakterisiert der Rezensent den Autor darum schließlich als "Visionär" - der uns gar eine "First Lady im Papstpalast" in Aussicht stelle, die beim Segen urbi et orbi "mit drei Kindern" im Hintergrund stehe.
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