Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.06.2000
Mit einer kurzen Betrachtung darüber, dass die amerikanische Kunstgeschichte nicht erst mit der Ankunft der europäischen Emigranten beginnt, wie ein "weitverbreitetes" Vorurteil besagt, beginnt Norbert H. Ott seine Besprechung dieses Buches. Tatsächlich gehört das Buch des Amerikaners Millard Meiss, das vor 50 Jahren erschien und hier erstmals auf Deutsch vorliegt, zu den Klassikern einer genuin amerikanischer Kunstgeschichte. Nicht platt marxistisch, sondern höchst differenziert "im methodischen Zusammenwirken von ikonologischen und soziologischen Deutungsansätzen" hat Meiss nachgewiesen, dass der Einbruch der Pest eine stilistische Veränderung der Malerei in Siena und Florenz im 14. Jahrhundert zur Folge hatte. Den persönlich-intimen Darstellungen der Heiligen folgt eine Rückkehr zum byzantinisch "frontalsymetrischen" Kompositionsmodell, das, so zitiert den Rezensent den Autor, als `höheres Prinzip von unerschütterlicher Stabilität und Dauerhaftigkeit` wiederauflebt. Das "kongenial übersetzte" Buch muss dennoch, so Ott, auch in dem Sinne als Klassiker gelten, dass neuere Untersuchungen inzwischen einiges differenziert haben, was in einem Vorwort durchaus hätte erwähnt werden können. Dennoch empfiehlt der Rezensent uneingeschränkt die Lektüre: schließlich lese man auch Jacob Burckhardt immer noch mit Gewinn, "weshalb nicht - endlich - auch Meiss?"
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