Alice Munro

Wozu wollen Sie das wissen?

Elf Erzählungen
Cover: Wozu wollen Sie das wissen?
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783100488275
Gebunden, 381 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Heidi Zerning. Mit ihren Geschichten begibt sich Alice Munro in ihre eigene Familiengeschichte, bis zurück zu William Laidlaw im Schottland des frühen 17. Jahrhundert, als es noch Feen und Geister gab. Von dort aus nach Kanada, mit Andrew und den anderen, die meistens Schäfer, später Farmer waren, und den zahlreichen Tanten, Annie, Jenny, Mary - lauter einfachen, aber eigenwilligen Menschen, Käuzen mit seltsamen Lebensgeschichten und sehr viele von ihnen mit einer auffälligen Liebe zum schriftlichen Wort. Ob sie nun Wetternotizen machen, Erinnerungen aufschreiben oder sich richtige Geschichten ausdenken - die Tradition des Schreibens ist tief in Munros Familientradition verwurzelt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.02.2009

Bisweilen etwas labyrinthisch findet die Rezensentin Angela Schader diese Suche Alice Munros nach den Wurzeln ihrer Familie. Hierfür, so lesen wir, begibt sich die kanadische Schriftstellerin bis nach Schottland, wo sie das Schalten und Walten ihrer Ahnen bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt. Von hier werde der Weg der Familie nachgezeichnet - bis zu Munros Vater, der so begabt war und schließlich Nachtwächter wurde, bis zur Mutter, die wegen ihrer Unkonventionalität aneckte, bis hin zu Munro selbst, zur ersten Liebe, zur Entfremdung von der Familie. Obwohl Munros Texte auf dokumentarischem Material beruhen, sind sie doch nicht rein autobiografisch, meint Schader, die Autorin hat sie zu Erzählungen verarbeitet, zu "autobiografischen Fiktionen", zu einem Gemisch aus Generationen und Familienzweigen, eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Manchmal hätte sich Schader zur besseren Orientierung einen Stammbaum im Buch gewünscht. Doch das ist nicht so wichtig, sieht sie doch immer wieder "die Höhe von Munros besten Erzählungen" erreicht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.01.2009

Nicht soviel Freude wie mit früheren Büchern von Alice Munro gibt Rezensent Andreas Isenschmidt angesichts dieses Erzählbandes zu Protokoll, obwohl die Edition, wie er meint, eine Neuorientierung in Munros Schreiben darstellt. Denn hier schreibe sie über den Bruch mit ihrer Herkunft und den puritanischen Traditionen ihrer Vorfahren, also erstmalig über sich selbst. Doch dieses Ich trifft der Rezensent erst spät in diesem Buch. Auch bedauert er, dass der Bruch erzählerisch nicht vollzogen wird und so recht der Wind der Befreiung diese Erzählungen daher nicht durchweht. Zwar haben die Geschichten immer wieder ihren Reiz für Isenschmidt, zumal Alice Munro ?mit ihrer kunstvollen Sprödigkeit? dem Historischen viel näher komme als die ?Fabrikanten historischer Schinken?. Auch gelingt ihr aus seiner Sicht manchmal mit ?fabelhaft platzierten Kleinstsätzen? Sozialkritik, die den Rezensenten ins Gesicht trifft wie ein Schlag.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2008

Ulrich Baron lässt sich bei der Besprechung von Alice Munros Erzählungsband weder zu Lob noch zu Tadel hinreißen, der Leser seiner Kritik glaubt dennoch Wohlwollen zu erspüren. Die von schottischen Vorfahren abstammende, 1931 in Kanada geborene Autorin verarbeitet in ihren elf Erzählungen sowohl die eigene Familiengeschichte wie auch ihre Biografie und schöpft dafür aus Quellen wie Briefen, Tagebüchern und sogar Grabinschriften, erklärt der Rezensent. Munro erzählt von Alkoholschmugglern, Auswanderern und schließlich von der eigenen Kindheit, Jugend und ihrem Erwachsenenleben, verrät Baron. Er bemerkt, dass während in den Geschichten der Vorfahren auch mythische Elemente verwoben sind, in den autobiografischen Erzählungen "Phantasie zum Selbstbetrug" wird. Ihm ist zudem aufgefallen, wie die individuellen Lebensgeschichten in der Familiengeschichte aufgehen und damit auch "Eigenständigkeit" und "Konturen" verlieren.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2008

Mit Vernügen und Bewunderung hat Rezensent Jochen Hieber diesen Erzählband von Alice Munro gelesen. Er erzählt in elf Episoden die Familienchronik von Munros Familie, den Laidlaws: Das führt vom Aufbruch des Laidlaw-Enkels eines schottischen Schäfers nach Amerika im 17. Jahrhundert, in die Zeit der Kultivierung des kanadischen Farmlandes und schließlich zur eigenen Geschichte. Nichts an diesen Erzählungen ist originell, außer der Art, wie sie erzählt werden, erklärt Hieber. Es sei eine "Literatur des Privaten", die vom alltäglichen Leben erzähle. Langweilig ist das nie, so Hieber, dafür sorge der "ganz unangestrengte Stil" der kanadischen Autorin, den Heidi Zerning "klangrein" ins Deutsche übertragen habe.
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