Alexis de Tocqueville

Fünfzehn Tage in der Wildnis

Cover: Fünfzehn Tage in der Wildnis
Diaphanes Verlag, Zürich/Berlin 2013
ISBN 9783037343289
Broschiert, 160 Seiten, 12,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Heinz Jatho. Mit einem Nachwort von Robin Celikates. Während seiner großen Nordamerikareise, die eigentlich den Beobachtungen des amerikanischen Rechtssystems gewidmet war und der wir letztendlich auch sein Hauptwerk "Die Demokratie in Amerika" verdanken, begab sich Alexis de Tocqueville für zwei Wochen auf Abwege. Auf der Suche nach der Wildnis und den Ureinwohnern des Kontinents durchreist er den Bundesstaat New York, überquert den Eriesee und findet schließlich fast unberührte Täler im Distrikt Michigan. Der Bericht seiner Eindrücke und Begegnungen zeichnet ein unmittelbares Bild von der Verheerung und Erschließung, der Zerstörung und Zivilisierung des Kontinents und seiner Bevölkerung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2013

Mit einigem Interesse liest Rezensentin Tania Martini die erstmals in deutscher Übersetzung vorliegenden Notizen Alexis de Tocquevilles zu seiner zweiwöchigen Reise in die Welt jenseits der Frontier, die er am Rande seiner großen Amerikareise im Jahr 1831 unternommen hatte. Der Autor "brilliert durch seine genaue Beobachtungsgabe" und vermag dadurch, wie Martini unterstreicht, das Ausmaß der Zivilisierung der "Neuen Welt" noch anschaulicher zu vermitteln als in seinen beiden großen, in diesem Tagebuch bereits vorskizziert wirkenden Klassikern über die noch frische amerikanische Nation. Interessant ist diese Reise in die "Wildnis" vor dem Hintergrund der seinerzeit noch nicht vollends historisierten Debatten über die Natur des Menschen, wie sie Hobbes, Locke und Robespierre geführt haben, so die Kritikerin. Wobei sich Tocqueville durchaus in Widersprüche verstrickt, hält Martini fest: Ureinwohner und Siedler faszinieren und verstören ihn zu gleichen Teilen, Misstrauen und Voreingenommenheiten geißelt er genauso wie die seiner Ansicht nach "freiheitsgefährdende" Demokratie, auch wenn Martini sich beeilt hinzuzufügen, dass Tocqueville darunter vor allem "Wettbewerbsindividualismus" und das Primat der Ökonomie verstand.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2013

Dieses neu übersetzte Nebenprodukt von Tocquevilles Gefängnisstudie, ein Reisebericht aus dem wilden Westen der USA, hier vereint mit einem Bericht über den Oneida-See und einem Text von Tocquevilles Reisegefährten Gustave de Beaumont, beweist dem Rezensenten Thorsten Gräbe, dass die Wildnis nicht leicht zu finden ist, ebenso die Indianer, auf deren Fährte sich der Franzose setzt, um sie dann saufend in Buffalo zu finden - eine Enttäuschung. Das Buch selbst ist für Gräbe keine Enttäuschung (wenn er auch eine Karte schmerzlich vermisst). Er findet den Essay facettenreich und auch witzig, etwa, wenn Tocqueville sich als Landkäufer ausgibt, um endlich doch noch einen Hauch Wildnis zu erhaschen. Gut gefallen hat Gräbe auch der Wechsel der Betrachtung vom Allgemeinen zum gut ausgeleuchteten Detail, so erfährt er vom Erzähler, dass sich mancher Siedler der westlichen "Frontier" einen Bären als Wachhund hielt.