Bernard-Henri Levy

American Vertigo

Auf der Suche nach der Seele Amerikas
Cover: American Vertigo
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783593382395
Gebunden, 383 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Levy beschreibt ein Land, in dem Kirchen wie Banken aussehen, Pfarrer wie Rechtsanwälte und Rechtsanwälte wie Türsteher. Vom Gefängnisinsassen zum Geistlichen, von der Barfrau zum Berufsdiplomaten, von Sharon Stone bis Paul Wolfowitz: Levys Buch lässt unterschiedlichste Stimmen zu Wort kommen, alle aufschlussreich, manche schockierend. Mit dem Blick von außen beschreibt er Patriotismus und Schöpfungsglauben, Zukunftsoptimismus und den amerikanischen Hang zum Übermaß. Neben aller Kritik spart Levy aber auch nicht mit Bewunderung: Er bestaunt die Offenheit der Gesellschaft, die kulturelle Differenzen zulässt, und die Kraft, sich immer wieder neu zu erfinden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2007

Entsetzt zeigt sich Martina Meister über Bernard-Henri Levys Buch "American Vertigo". Dass der Autor damit auf Alexis de Toqueville rekurriert, grenzt für die Rezensentin fast schon an Hohn. Während sich Toqueville vor rund 200 Jahren auf seine Reise quer durch Amerika machte, um eine Analyse der Massendemokratie durchzuführen, liefert Levy in den Augen der Rezensentin nur "chaotische Selbstgefälligkeit". Weder der "ganz normale Alltag", noch die unendliche Weite des amerikanischen Kontinents, der für sie "auf die Größe eines Kuriositätenkabinetts" zusammenschrumpft, kommen ihrer Meinung nach hinreichend zum Ausdruck. Vor allem aber stört sie, dass die angekündigte Intention des Autors, sich mit den Fragen der amerikanischen Demkokratie auseinanderzusetzen, "unterwegs sehr schnell in Vergessenheit" gerät. Nicht zuletzt deshalb fragt sich die Rezensentin, warum er "eigentlich immer noch als Philosoph durchgeht".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.08.2007

Glauben wir der Rezensentin, meistert Bernard-Henri Levy das schwierige Unterfangen eines Reisebuches über die USA aus europäischer Perspektive mit "gewohnter Eleganz". Dass dies nicht jedermanns Meinung sein kann, dessen ist sich Barbara Bierach bewusst. Zumal BHL bei seinen Auslassungen, über Sharon Stone etwa oder die Waffenvernarrtheit der Amerikaner, häufig "generalisiert", wie die Rezensentin moniert, etwa wenn er Amerika als "Nation ohne Substanz" bezeichnet. Wobei sie selbst wiederum die Bemerkung fallen lässt: "Seine Beobachtungen sind jedem Europäer vertraut". Groß findet Bierach den Meister aus Frankreich, wenn er die USA mit ihrem eigenen Freiheitsbegriff konfrontiert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2007

Man kann ihn gähnen hören, Heinrich Wefing. Nie, scheint es, hat der Rezensent so viel Uninteressantes über Bernard-Henri Levy gelesen - in einem Buch über die USA. An eine Ahnenfolge Tocqueville-BHL will Wefing lieber gar nicht denken: Präzision und Zeitlosigkeit dort, Geschwätzigkeit und (über zwei Jahre alte) Tagesaktualität in diesem Buch. Wie man unter traumhaftesten Bedingungen (Chauffeur, Zugang überall und zu jedem) derart wenig Substanzielles über ein Land in Erfahrung bringen und stattdessen jedes Klischee aufwärmen kann, ist Wefing ein Rätsel. Wer schon keine Ahnung hat, legt er dem Autor nahe, sollte sich immerhin die richtigen Gesprächspartner aussuchen. Aber mit Sharon Stone über George Bush zu plaudern, wie BHL es macht, das sei gerade so, als lasse man sich von Dieter Bohlen den Nahostkonflikt erklären.