Alexander Solschenizyn

Zwischen zwei Mühlsteinen

Mein Leben im Exil
Cover: Zwischen zwei Mühlsteinen
F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München 2005
ISBN 9783776624502
Gebunden, 429 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen übersetzt von Fedor B. Poljakov. Im Februar 1974 wurde der Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn vom KGB verhaftet, in ein Flugzeug gesetzt und nach Deutschland ausgewiesen. Die sowjetischen Machthaber wollten so ihren schärfsten Kritiker außer Gefecht setzen. Doch Solschenizyn, Autor des "Archipel Gulag", führte seinen Kampf gegen die Lüge auch im Ausland weiter. In den Erinnerungen an seine ersten Jahre im Exil legt er ein literarisches Zeugnis jener Herausforderung ab, der er im Westen begegnete. Wie sollte er hier leben, gejagt vom KGB und ständig verfolgt von der Presse, die Stellungnahmen von ihm verlangte? Wie sollte er sich orientieren inmitten von Verleumdungen, finanziellen Problemen, unbekannten Gesetzen und gesellschaftlichen Regeln?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2006

Als "Schlüsseltext für das Verständnis Solschenizyns" bezeichnet Rezensent Thomas Grob diesen ersten Teil der Memoiren des legendären sowjetischen Dissidenten. Allerdings ist dies nicht so positiv gemeint, wie es zunächst klingt. Zwar bietet der Band dem Rezensenten vielschichtiges Material zur Neubewertung Solschenizyns aus historischer Distanz. Doch offenbaren diese Aufzeichnungen für Grob auch eine "unfreiwillige Selbstdemontage". Der Rezensent verfolgt verschiedene "seltsame Wahrnehmungsmuster", die sich aus seiner Sicht durch die Aufzeichnung ziehen, und erkennt darin eine Methode, die Fakten absichtsvoll zu Gunsten eines sehr subjektiven und gelegentlich von kleinlicher Rechthaberei beherrschten Weltbildes zurechtzustutzen. Auch die "historische Wahrheit" , die Solschenizyn sucht, setzt er letztlich mit einem persönlichen moralischen Urteil gleich, schreibt der Rezensent. Im Übrigen erfuhr er nichts grundlegend Neues über die ersten zweieinhalb Jahre des Exils, die Zeit in Zürich bis zur Auswanderung in die USA. Die Qualität der Übersetzung lässt beim Rezensenten so etwas wie Lesevergnügen erst gar nicht aufkommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2006

Deutlich schwankt Kerstin Holm zwischen der Bewunderung für die Lebensleistung und die "moralische Autorität" Solschenizyns und der Enttäuschung angesichts der Flachheit und Farblosigkeit dieser Exil-Erinnerungen. Über das Wettern des großen alten Mannes gegen die Aufklärung als Urquell menschlicher Hybris scheint sie milde zu lächeln, ohne allerdings Solschenizyns Fähigkeit in Zweifel zu ziehen, die Welt in Gerichtete und Gerechte zu teilen. Was Holm einerseits treffend als "ehrenvoll freudloses" Werk bezeichnet, ist ihr zumindest in einem Punkt doch nicht ganz so ehrenvoll vorgekommen: Dass die Erinnerungen aus dem Exil kein einziges "einprägsames" Porträt eines Freundes oder Helfers enthalten, kommt der Rezensentin doch mehr als nur blass vor.