Alexander Schimmelbusch

Hochdeutschland

Roman
Cover: Hochdeutschland
Tropen Verlag, Stuttgart 2018
ISBN 9783608503807
Gebunden, 214 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Victor kann sein albernes Siegerdasein als erfolgreicher Investmentbanker schon lange nicht mehr ernst nehmen. Alle Versuche, sich zu verlieben, scheinen ebenso zum Scheitern verdammt zu sein, wie es seine Ehe war. Er ist ein Produkt der marktorientierten deutschen Gesellschaft und dieselben Fähigkeiten, auf denen sein Erfolg in diesem System basiert, weisen ihm jetzt den Ausweg - eine Revolution. Er bewohnt eine gläserne Villa im Taunus, hat bei Bedarf Sex im Spa-Bereich des Hotel Adlon und schafft es, die Work-Life-Balance der Mitarbeiter seiner Bank in einem rentablen Ungleichgewicht zu halten.
Doch all das führt zu nichts. Zum Glück lernt er den italophilen Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland kennen, dessen Lebenstraum es ist, nach seiner politischen Laufbahn als steinreicher Investmentbanker mit dem Ferrari durch Mailand zu gleiten. Dafür braucht er Victors Hilfe und unterstützt ihn im Gegenzug dabei, eine populistische Bewegung zu gründen, deren rohe Lebendigkeit Victor erlösen wird.
In seinem Roman wirft Alexander Schimmelbusch ein grelles Licht auf die deutsche Volksseele und stellt die zentralen Fragen unserer Zeit: Ist unser System kaputt? Was ist Elite? Können wir überhaupt noch kommunizieren? Haben wir Prinzipien? Welchen Preis zahlt man dafür, nach seinen eigenen Regeln zu leben? Ist es Zeit für einen radikalen Neuanfang? Für eine Stunde null, wie nach einem Krieg?  

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2018

So ganz kann Rezensent Paul Jandl offensichtlich nicht verstehen, warum Alexander Schimmelbuschs Roman "Hochdeutschland" von den Kritikern "als große Zeitdiagnose" gefeiert wird. Der beißende Spott, mit dem der Autor seinen Erzähler die reichen Frankfurter aus ihrer Mitte heraus verurteilen lässt, ohne bei sich selbst und den fernsteuerbaren Jalousien seiner Luxusvilla anzufangen, hat ihn zwar durchaus beeindruckt. Zynismus und Marken-Name-Dropping erinnern Jandl an Houellebecq, und dass der snobistische Protagonist zuletzt ein "Manifest gegen den Reichtum" schreibt, scheint für ihn eine gekonnte satirische Spitze zu sein. Für einen großen Roman reichen ihm diese Glanzmomente des Buches allerdings nicht aus.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.04.2018

Alexander Schimmelbuschs Roman "Hochdeutschland" lässt den Zeit-Kritikern offenbar keine Ruhe. Nachdem sich vergangene Woche Tomasz Kurianowicz für die Geschichte um einen geläuterten Investmentbanker, der hinter die schmutzigen Kulissen des Kapitalismus blicken lässt, begeisterte, erhebt nun Florian Illies den Roman in seiner vergleichenden Besprechung mit der ZDF/arte-Serie "Bad Banks" zum "Buch der Stunde". Präzise Milieukenntnis attestiert er dem Autor und ehemaligen Banker ebenso wie Gespür für pointierte Dialoge, rasante Schnitte und Humor. So "rau", wirklichkeitssatt, irrwitzig und doch elegant hat seit Ewigkeiten niemand mehr von der wirtschaftlichen Realität erzählt, schwärmt der Kritiker, der Schimmelbuschs Roman in einer Reihe mit Manns "Buddenbrooks" oder Brechts "Dreigroschenoper" stellt. Endlich hat die Kultur den Kapitalismus wieder im Griff, freut sich Illies.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2018

Rezensent Jan Wiele gefällt Alexander Schimmelbuschs Roman seiner satirischen Keule wegen, mit der der Autor auf die auf die Banker- und Beraterkaste eindrischt. Das ist großes Kino, findet er, voller Klischees, Sarkasmus und guter Beobachtung. Dass dem Autor gegen Ende die Zügel entgleiten und er die Geschichte um den supererfolgreichen Investmentbanker mit Ennui und linkem Sendungsbewusstsein überdreht und den Leser mit Kalauern nervt, scheint Wiele zu verkraften.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.04.2018

Rezensent Tomasz Kurianowicz ist angetan von Alexander Schimmelbuschs Vision eines zynisches Arschlochs aus der Investment-Branche, das sich zum Weltverbesserer mausert. Wie kenntnisreich der Autor die Realität des Arschlochkapitalismus' zeichnet, imponiert ihm. Mehr dystopischer Essay als Roman, besticht das Buch für den Rezensenten aber auch mit einer veritablen Populismus-Satire, wenn es linke Polemik und Reformversuche mit plumper Islamkritik mixt. Eine pointenreiches Panorama unserer Moderne, das den Rezensenten schmunzeln und sich gruseln lässt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2018

Rezensent Jens-Christian Rabe denkt an Houellebecq und daran, ob es eigentlich so wie in Alexander Schimmelbuschs politischem Roman oder doch noch viel schlimmer zugeht in der Wirklichkeit der Investmentbanker. Bitter, böse, brillant findet er, wie der Autor die Finanzökonomie und Wirtschaftspolitik darstellt. Dokufiktion trifft es laut Rabe aber nicht ganz, denn die Volten, die der Autor seiner Geschichte gönnt, scheinen dem Rezensenten dann doch zu fein ausgedacht. Aus dem glatten Finanztrickser etwa wird am Ende ein liberaler Wirsager, staunt Rabe, und ein türkischstämmiger Politiker wird Kanzler.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.03.2018

Einen Roman zur politischen und gesellschaftlichen Gegenwart zu schreiben, birgt ein Risiko, das wenige Autoren bereit sind einzugehen und von jenen wiederum nur die allerwenigsten tragen können bis zum letzten Satz - Alexander Schimmelbusch, ehemals im Finanzsektor tätig, demzufolge mit jeder Menge interessantem Insider-Wissen ausgestattet, hat sich genau das vorgenommen und es geschafft - und zwar mit Bravour, wenn man Rezensentin Katja Kullmann glaubt. Wie ein "Reflektor" wirke dieses Buch, welches alle eigenen Aggressionen, Ängste, Ressentiments, Unentschieden- und -entschlossenheiten des Lesers spiegle und auf ihn zurückwerfe - "geschickt", findet Kullmann das und außerdem gut umgesetzt. "Hochdeutschland" hat viel von einer Satire und ist doch nicht wirklich diesem Genre zuzuordnen, dafür ist die Erzählposition zu flexibel, das Thema zu ernst und die Beschäftigung damit zu ernst gemeint. Oder? Am Ende fragt man sich, laut Rezensentin auf interessante Weise verstört und irgendwie auch belustigt: Wie meint er das denn nun, und hat er denn nicht recht?