Johannes Paul II. ist mit einem dramatischen Gestus des Glaubens von uns gegangen. Sein Freund, bis dahin der geniale Chefdenker der Kirche, hat als Benedikt XVI. das Steuerrad in Rom übernommen. Die Ereignisse überschlagen sich: Das ehemals christliche Abendland sucht verzweifelt nach Wertorientierung. Die Jugendlichen entdecken den Glauben wieder. Der neue Papst diskutiert auf Augenhöhe mit den größten Geistern der Erde. Benedikt wird zum internationalen Wortführer einer Zivilisation der Liebe. Was geschieht da eigentlich? George Weigel legt mit "Das Projekt Benedikt" die Weltbilanz einer Wendezeit vor.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006
Die hohen Erwartungen, die der Name George Weigel (aufgrund der von ihm gezeichneten exzellenten Biografie von Johannes Paul II.) weckt, kann diese Biografie nicht erfüllen, findet Rezensent Matthias Drobinski. Gerade einmal fünfzig Seiten hält er für unbedingt lesenswert, jene nämlich, in denen Weigel die Zeit vor und während des Konklaves beschreibt und aufzeigt, warum unter den Kardinälen nur Joseph Ratzinger für das päpstliche Amt in Betracht kommen konnte. Darüberhinaus habe Weigel jedoch lediglich eine "wenig inspirierte Lebensbeschreibung" Ratzingers zu bieten. Schließlich gebe er dem derzeitigen Papst sogar "Tipps fürs richtige Regieren", so dass das "Projekt Benedikt" immer mehr zum "Projekt Weigel" gerate, an dem kein Papstbiografie-Leser interessiert sein dürfte, so das vernichtende Fazit des Rezensenten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2006
Kein gutes Haar lässt Friedrich Wilhelm Graf an diesem Buch. George Weigels Marsch gegen den Liberalismus mangelt es nicht nur an "klaren begrifflichen Linien", erklärt er uns, das "heilsgeschichtliche Pathos" des Autors entlarvt er zudem als Mittel, Kirche und Moderne künstlich zu scheiden. Dass dieses Unternehmen am Ende doch noch spannend wird, hat damit zu tun, dass es dem Rezensenten die Vorstellungen eines "aggressiven Elitenkatholizismus" vermittelt, der sich als globaler Heilsbringer versteht (u. a. gegen einen "gewaltbereiten Islamismus"). "Spannend" also im Sinne von "gruselig", so deuten wir das.
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