Lange galt der Konservativismus als staubig, spießig, gar als tot. Heute sind Umgangsformen schick, Bildung gilt wieder etwas, Werte erhalten ihre Bedeutung zurück. Denn gerade in Zeiten rasender Veränderungen hilft ein ruhiger Blick, den Kopf und das Eigene nicht zu verlieren. Alexander Gauland zeigt, daß konservativ sein kein Hängen an dem ist, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.01.2003
Neugierig sei er schon gewesen, gibt Rezensent Ulrich Speck zu, als er das Buch zum Konservatismus in die Hand nahm, auch wenn er die Anspielung des Einbands auf Bestsellerliteratur und damit die Betonung, dass der Konservativismus nicht nur etwas für ältere Herrschaften ist, etwas "penetrant" fand. Allerdings stellt sich für ihn die Lektüre bald als ziemlich "ermüdend" heraus. Er moniert, dass aus den historischen Exkursen des Autors letztlich wenig für die Gegenwart mitzunehmen sei, und er beklagt den "resignativen" Grundzug der Abhandlung. Der Rezensent räumt zwar ein, dass der Autor insbesondere mit seiner Globalisierungskritik "drängende Probleme" anspreche, doch glaubt er nicht, dass eine reine "Bilanz der Verluste" und die Klage darüber ausreicht, um den Konservativismus als "politische Kraft" zu beleben.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.11.2002
Als besinnlichen Weltanschauungsessay" bezeichnet Rezensent Richard Herzinger, den vorliegenden Versuch, den Begriff 'Konservativismus' zu rehabilitieren, den Autor Gauland durch verhängnisvolle Koalitionen (u.a. mit den Nationalsozialisten) sowie "inflationären Gebrauch" ausgehöhlt findet. Einigermaßen widerspruchslos nimmt der Rezensent noch Gaulands Rekurs auf das 18. und 19. Jahrhundert auf. Aber schon bald schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen. Zum Beispiel, wenn er Gauland "im Unmut über den neuen Feind Neoliberalismus" großzügig über historische Unterschiede und politische Realitäten hinwegsehen sieht. Bald treiben die ersten "haarsträubend unsinnigen Behauptungen" Herzinger den Zorn auf die Stirn, bald macht sich Mitleid breit. Es zeigt sich dem Rezensenten, dass diese Analyse auf einem höchst simplen Welterklärungsschema beruht: an "allen denkbaren Übeln" sei die entfesselte Moderne mit ihrem rücksichtslosen Fortschrittsfuror schuld", wird dieses Schema zusammengefasst. "Nazis, Kommunisten oder 'die Amerikaner' sah der Rezensent dabei "je nach Bedarf" als Agenten ein und derselben unheilvollen Kraft auftreten. Auch die Definition des Konservativen fand Herzinger mehr als luftig und bei der Klärung der "weltanschaulichen Fronten von heute" kaum hilfreich, den diese "keimfreie Rekonstuktion" begännen zu bröckeln, sobald man sie auf "ihre Anwendbarkeit auf akute politische Problem" überprüfe.
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