Alexa Geisthövel (Hg.), Habbo Knoch (Hg.)

Orte der Moderne

Erfahrungswelten des 19. und 20. Jahrhunderts
Cover: Orte der Moderne
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783593377360
Gebunden, 376 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Zwischen U-Bahn-Station und Stripteaselokal preist die Werbung eines Kinos den Film des Abends an. Kondensstreifen von Flugzeugen verheißen Urlaubsziele, an die ein Sandstrand oder der Komfort eines Grandhotels die Reisenden aus ihren Appartements und Hochhäusern lockt.Wer städtische Räume, aber auch manche Landschaft durchstreift, sieht sich von Orten umgeben, die aus der Zeit der klassischen Moderne stammen, dem letzten Drittel des 19. und dem ersten des 20. Jahrhunderts. In 30 Miniaturen entführen uns die Autorinnen und Autoren des Bandes an diese Orte, die die räumlichen Erfahrungen des modernen Menschen bis heute prägen. Damit legen sie Schichten der gegenwärtigen Lebenswelt offen, die uns eher unbewusst geblieben sind. Wer als Leserin oder Leser die hier beschriebenen Orte aufsucht, wird erkennen, wie zentral der Wandel der räumlichen Erfahrung war. Er hat das moderne Lebensgefühl mindestens so sehr geprägt wie der Wandel der Zeiterfahrung. Denn die Welt wurde seit der Wende zum 20. Jahrhundert nicht nur durch Kriege und Globalisierung geografisch neu geordnet, sondern auch vor Ort "im Kleinen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.07.2005

In diesem Sammelband wird der Entwicklung der Städte im 19. und 20. Jahrhundert nachgespürt und dabei wichtige Stationen der modernen Großstadt, wie dem Bahnhof, der Zeitungsredaktion des Kinos aber auch der "legändären Couch" von Freud abgeschritten, erklärt Hans-Volkmar Findeisen. Als geistiger "Übervater" der verschiedenen Beiträge fungiert Michel Foucault, was der Rezensenten zwar als "Vorzug" herausstreicht, gleichzeitig aber auch die daraus entstehende Hermetik der Sichtweisen beklagt. Foucault hat die Moderne vor allem als Kontrollsystem beschrieben, die in Gefängnisbauten ihren vollendeten Ausdruck fanden, was seit den 90er Jahren allgemeiner Konsens in den Geschichtswissenschaften wurde, erläutert Findeisen. Erst im letzten Teil des Sammelbandes hat er davon abweichende Standpunkte gefunden hat, wie etwa den Beitrag von Thomas Mergel über die Wahlkabine, den er als besonders "lesenswert" preist. Als den "bemerkenswertesten" Text in diesem Buch aber rühmt er den Beitrag von Bernd Hüppauf, der darin das Lob der Kleinstadt singt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.04.2005

Alexa Geisthövels und Habbo Knochs neues Buch hat dem Rezensenten Thomas Kreuder sehr anschaulich gemacht, dass die moderne Entwicklung der Gesellschaft nur allmählich in Gang kam. Die beiden Herausgeber machen die Veränderungen der "industriellen Revolution" in Deutschland, die sie auf die Zeit zwischen 1870 und 1930 datieren, am Beispiel verschiedener Orte fest und vermessen diese nach Kreuders Urteil durchaus "kenntnisreich". Thematisiert werden beispielsweise die zunehmende Mobilität, ein verändertes Verständnis von Zeit, das neue Menschenbild und der Wandel in der Kriegsführung. Geisthövel und Knoch gelinge es, die verschiedenen Aspekte untereinander in Beziehung zu setzen und somit die "weitreichende Restrukturierung" der Moderne aufzuzeigen, meint der Kritiker. Er findet in diesem Sammelband, der wie eine "Ortsbesichtigung" angelegt ist, auch zahlreiche "Fixpunkte", mit Hilfe derer auch die heutige Gesellschaft genauer betrachtet werden kann.
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