Alena Wagnerova

Das Leben der Sidonie Nadherny

Cover: Das Leben der Sidonie Nadherny
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2003
ISBN 9783434505433
Gebunden, 204 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Als Karl Kraus an den "Letzten Tagen der Menschheit" arbeitete, war das Schloss Janowitz seiner Freundin Sidonie Nadherny für ihn ein Zufluchtsort vor der Gleichgültigkeit, Borniertheit und Zerstörungslust, gegen die er sein ganzes Leben angeschrieben hatte. Sidonie Nadherny war freilich mehr als die Freundin des berühmten Mannes. Mit ihr begegnen wir einer der interessantesten Repräsentantinnen der österreichischen Spätkultur. Ihr Leben (1885 bis 1950) bildet einen Kontrapunkt zu der Katastrophe, die 1942, sechs Jahre nach dem Tod von Karl Kraus, hereinbrach, als die Nationalsozialisten aus Schloss und Park den Übungsplatz einer SS-Panzerdivision machen wollten. Wagnerova erzählt die Lebensgeschichte einer bemerkenswerten Persönlichkeit, einer eigenwilligen und tatkräftigen Frau und zugleich die Geschichte des Schlosses und seines Parkes in den letzten siebzig Jahren bis in die Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2003

Die Rezensentin Ursula Pia Jauch zeigt sich regelrecht hingerissen von Alena Wagnerovas "nachdenklicher und liebevoller" Biografie der tschechischen Gräfin Sidonie Nadhern. Diese Frau, so die Rezensentin, die sonst nur als "Statistin", als "Zierart männlicher Größe", namentlich als Geliebte von Karl Kraus bekannt ist, sei gerade deshalb interessant, weil "für das Erfassen ihrer Leistung die Kategorien fehlen", jene Kategorien wie "ein Buch", "Aufzeichnungen" oder ähnliches. Sidonie Nadherrn habe nichts hinterlassen, das in eine solche Kategorie passen würde, und doch, scheinen gleichsam Autorin und Rezensentin zu sagen: Da war etwas, und es ist von Bedeutung. Die Stärke dieses Buches besteht für die Rezensentin darin, dass Wagnerova dem Modell der "vita activa" das der "vita reactiva" entgegensetzt, das einen anderen, "nicht auf Leistung und Materie reduzierten Werkbegriff" fasst und das Zuhören als "andere Seite des Gestaltens" begreiflich macht. In der Annäherung an die "Suchende" Sidonie verzichtet Wagnerova auf "simple Effekte" und auf das "Wühlen im Extravaganten" und schaffet ein "Seelenporträt einer Entschwundenen", dessen "atmospherische Dichte" bemerkenswert ist, lobt unsere Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2003

Sidonie Nadherny von Borutin, wie sie mit vollem Adelstitel hieß, ist eigentlich nur als Muse von Karl Kraus und Gastgeberin Rainer Maria Rilkes bekannt, ein unruhiger Geist, den es ebenso nach geistigem Ausbruch wie Geborgenheit in der böhmischen Heimat gelüstete, skizziert Elisabeth Wehrmann die Persönlichkeit Nadhernys, der Alena Wagnerova nun eine Biografie gewidmet hat. "Annäherung" nenne die Biografin ihr Porträt, dessen "Nachfühlton" bei Wehrmann allerdings auf wenig Gegenliebe stößt. Die Autorin hatte Zugang zu bislang unveröffentlichten Briefen und Archivmaterial, erläutert Wehrmann, und konnte so den Lebensweg der Porträtierten chronologisch nachzeichnen, wobei sie "eher breit als tief" vorgegangen sei. Leider geht der Biografin eine gewisses Feingefühl ab, bedauert Wehrmann, sie vermisse die "Bruchstellen dieser gezeichneten Frau", die ihren Schlosspark südlich von Prag gegen die deutsche Protektoratsregierung zu verteidigen suchte, als diese das Gelände in einen Truppenübungsplatz verwandeln wollte. Erst jetzt seien Schloss und Park gerettet worden, vermeldet das Buch - dass Wagnerova nicht erklärt durch wen, gehört für Wehrmann zu den zahlreichen Ungenauigkeiten des Buches.
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