Kanzler Adenauer lästerte öffentlich über Brandts uneheliche Geburt, Helmut Schmidt nannte ihn einen Scheißkerl, Herbert Wehner diktierte in Moskau den Journalisten in den Block, Brandt bade lau. Dieser üblen Treibjagd ist Willy Brandt erlegen. Viel zu früh. Was wir von diesem Hoffnungsträger für heute lernen könnten, zeigt einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen. Ein notwendiges Buch für Menschen, die sich noch eigene Gedanken machen. Gegen Willy Brandt lief Zeit seines Lebens eine Kampagne seiner politischen Gegner - mit üblen Methoden. Er wurde trotzdem Bundeskanzler. Als sich einige seiner Parteifreunde dieser Hatz anschlossen, war er erledigt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.12.2013
Franziska Augstein lässt sich die Streitlust des alten Sozialdemokraten Albrecht Müller gern gefallen, der mit dieser Schrift an Willy Brandt erinnert und ihn zu einem Vertreter linker Politik münzt. Müller war zu Brandts Zeiten Pressesprecher der SPD und ihr Wahlkampfmanager und er legt, wie die Rezensentin berichtet, großen Wert darauf, dass Brandt nicht nur erfolgreich in der Außenpolitik agiert habe, sondern auch in der Innenpolitik. Die Rezensentin sieht das ganz ähnlich und findet auch den Seitenhieb auf Historiker ganz gerechtigfertigt, die sich mit dem "Wiederkäuen des Medienechos von damals" begnügten, wie sie Müller zitiert. Augstein lernt von Müller - und Brandt -, dass weder der paternalistische Obrigkeitsstaat noch eine Politik, die allein die "Oberschicht" bedient, einer Gesellschaft zuträglich ist.
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