Albert Ostermaier

Autokino

Gedichte. Mit Audio-CD, gesprochen vom Autor
Cover: Autokino
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518412640
Gebunden, 120 Seiten, 20,80 EUR

Klappentext

Autokinos liegen an der Peripherie, wo die Straßen und Geschichten enden, sie sind Grenzstationen, an denen Wirklichkeit und Illusion, Enge und Weite ineinanderfließen. Die Motoren sterben ab, doch die Bilder beginnen zu laufen und verbrennen den Treibstoff der Träume...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2002

Ob der beträchtliche Ruhm, der Ostermeier in den letzten Jahren zuteil geworden ist, berechtigt ist, das zu überprüfen nimmt sich Wulf Segebrecht am neusten Band mit Lyrik des Autors vor. Die Manier, stellt er fest, ist auf den ersten Blick ersichtlich: hypotaktische Sätze ohne Punkt und Komma, geschichtet zu Zeilenblöcken, den Weg zum Sinn muss der Leser selber suchen, aber es gibt ihn, den Sinn, keine Frage, so Segebrecht, und das Finden und das Suchen bereiten durchaus Lust. Oftmals seien die Gedichte geradezu narrativ, dazu "bunt, tempo- und bilderreich", es werde "gereimt und gerappt", nachzuhören ist es auf einer beigegebenen CD, das Dichter-Parlando wird perkussiv unterstützt (und übertönt), so Segebrecht, der die CD insgesamt als "nicht besonders professionell gemacht" bezeichnet. Für die Gedichte selbst gilt, da lässt der Rezensent keinen Zweifel, das Gegenteil.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2002

Albert Ostermeier trifft mit diesem Gedichtband "den Nerv seiner Generation", schwärmt Beatrice von Matt. Pop und "traurigseliges Kino" hätten dem Dramatiker und Lyriker dabei zwar zu Seite gestanden, aber die Rezensentin bewundert vor allem, wie treffend der Autor dem Titel entsprechend zum Ausdruck bringe, dass grundsätzlich jeder in seinem eigenen Film sitze. Reale Erfahrungen und stereotype Anschauungen prallen hier aufeinander, das Spannungsverhältnis weiß Ostermeier in seinen Versen trefflich zu transportieren, so Matt. Einige der Gedichte bewegten sich direkt auf der Grenze zwischen Virtualität und Realität, andere allerdings rutschen durch zu viele Einzelheiten in Trivialität und Überkonstruktion ab, lässt die Rezensentin doch ein bisschen Kritik verlauten. Aber das ist alles vielleicht gar nicht so wichtig, denn die große Qualität dieser Gedichte liegt für Matt in ihrer "musikalischen Struktur", im Rhythmus, der sich bis zum "famosen Rap" steigern könne.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.02.2002

Den "knappen" und "markanten" Titel des vierten Gedichtbandes von Albert Ostermaier findet Jan Wagner ganz treffend, denn wie im Autokino träfen hier das Banale und Wunderbare des Alltags aufeinander. Außerdem, berichtet der Rezensent, arbeitet der Autor tatsächlich beim Schreiben seiner Gedichte mit filmischen Techniken, so dass Wagner sich beim Lesen oft an alte Filme erinnert sah. Ein bisschen Kritik kann sich der Rezensent zwar nicht verkneifen, etwa wenn er einige Wortspiele und Metaphern als "Kalauer" und "gefällige Assoziationen" abtut, aber dennoch betont er, dass er die Gedichte bestechend "unprätentiös" und "klar" findet - Gedichte, bei denen er "Kaugummiblasen eines Flaneurs" vor Augen hat, was sie, denkt der Rezensent, überaus sympathisch machen.