Alban Nikolai Herbst

In New York

Manhattan-Roman
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783895615726
Gebunden, 128 Seiten, 13,29 EUR

Klappentext

"Stellen Sie sich einen Reisenden vor, gehen Sie zu irgendeinem Bahnhof, suchen Sie sich jemanden Beliebiges aus und folgen Sie ihm dann. Vielleicht dreht er sich plötzlich um und gibt Ihnen als altem Bekannten die Hand - da gilt unbedingte Vorsicht! Denn dieses ist kein Reiseführer..."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2000

Über die Handlung des Romans erfährt man in Stephan Krass` Rezension zwar wenig (außer, dass es sich um eine Detektivgeschichte handelt, in der ein Mann mit Koffer in New York wortwörtlich in den Untergrund geht und dort in der Kanalisation auf eine Musikkultur ganz eigener Art trifft). Aber dennoch (oder gerade deswegen) gelingt es dem Rezensenten, den Leser neugierig zu machen. Krass betont die Gegensätze zwischen dem fassadenhaften oberirdischen Leben und der lebendigen Unterwelt. Dabei gefällt ihm, dass Herbst dies nicht pathetisch verbrämt, sondern vor allem mit großer Ironie beschreibt. Der Autor spiele dabei nicht nur mit Identitäten (so erschießt der Protagonist des Romans beispielsweise den Erzähler, um dessen Rolle einzunehmen), sondern bediene sich an zahlreichen "Zitaten und Versatzstücken, Stilelementen und Handlungsstandards (...), die die Medienkultur in den letzten hundert Jahren" entwickelt habe. Zwar schießt der Autor mit seiner "Lust am Fabulieren" bisweilen über das Ziel hinaus, wie der Rezensent feststellt. Der Qualität der Geschichte scheint dies seiner Ansicht nach jedoch nur wenig zu schaden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000

Katharina Döbler zeigt sich überrascht, denn der Autor von "Anderswelt" und "Wolpertinger" hat ausnahmsweise einen schmalen Band von nur 145 Seiten vorgelegt und das bei einem großen Thema: New York. Woraus man aber nicht schließen sollte, so Döbler, daß der Autor "Bescheidenheit und kleine Brötchen backen gelernt hätte".Und woraus man nicht schließen sollte, daß Döbler den Roman nicht mochte. Gefallen hat ihr nämlich das raffinierte Spiel mit den Erzähler-Identitäten, die "unbekümmerte Direktheit" der Herbstschen Sprache, der kluge Umgang mit Trivialmythen und das Bekenntnis zum Pathos, das sich in einem furiosen Finale in der Tiefe Manhattans die Vision eines aller sozialen Gegensätze enthobenen Augenblicks leiste.