Alan Murrin

Coast Road

Roman
Cover: Coast Road
dtv, München 2025
ISBN 9783423284578
Gebunden, 384 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll. Herbst 1994. Die Bewohner des irischen Küstenstädtchens Ardglas beschäftigt nur ein Thema: Colette Crowley - Dichterin, Bohemienne, die Frau, die ihre Familie verlassen hat, um in Dublin ihr Glück zu finden - ist zurück und wohnt in einem kleinen Cottage an der Coast Road. Jeder ihrer Schritte wird von der Gemeinde argwöhnisch beäugt. Hat sie es verdient, dass ihr Mann ihr den Zugang zu den Kindern verwehrt? In ihrer Verzweiflung bittet Colette eine Bekannte um Hilfe, Izzy Keaveney, Hausfrau und Mutter, unglücklich verheiratet mit einem Lokalpolitiker, der sich ausgerechnet für die Legalisierung der Scheidung im Land einsetzt. Und so entsteht zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Frauen eine Bindung, die ihre Leben in ungeahnte Bahnen lenkt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2025

Ehekrisen sind Rezensent Tobias Döring zufolge "Stammzellenmaterial der Weltliteratur", das gelte auch für den Debütroman des Iren Alan Murrin, der 1995 spielt, in dem Jahr, in dem das Verbot von Scheidungen aus der irischen Verfassung gestrichen wurde. Murrin porträtiert drei Frauen, die in ihren Ehen unglücklich sind, Döring berichtet von einer, die nach Dublin flieht, um dort ein rasantes und ebenso brüchiges Leben zu führen, eine andere bekommt ihr viertes Kind, als die Situation mit ihrem gewalttätigen Mann eskaliert. Der Kritiker bedauert, dass es dem Autor eher um "die Dramen eines Alltags" geht und für die Entfaltung eines gesellschafts- und zeitkritischen Panoramas kein Raum bleibe. Auch die Dialoge plätschern ziemlich dahin, klagt er, als wären sie schon als "Fernsehserienformat" angedacht. So kann ihn der Roman auch dann nicht mehr wirklich überzeugen, als sich gegen Ende noch eine Kriminalgeschichte zu entwickeln beginnt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.02.2025

Einen klug konstruierten Romanerstling legt Alan Murrin laut Rezensent Rainer Moritz vor. Er spielt im Irland des Jahres 1994, ein Jahr bevor im Land die Scheidung legalisiert wird. Die Lyrikerin Colette kehrt in das Dorf Ardglas zurück, wo sie einst ihren Mann und ihre Kinder zurückließ - in den Augen der Dorfbewohner eine große Sünde. Im Zentrum stehen drei Ehepaare, lesen wir: Im einen Fall haben sich Mann und Frau schlicht auseinander gelebt, in einem anderen hat der Mann eine Affäre nach der anderen - weil Scheidung noch illegal ist, haben die Frauen keine Wahl als die disfunktionalen Ehen zu ertragen, so Moritz. Aber Colette, die der Kritiker für die interessanteste Figur im Roman hält, lässt sich nicht unterkriegen, sie ist selbstbewusst und stellt sich den Gehässigkeiten ihrer Umgebung. Die Situation wird für sie allerdings immer unerträglicher, da ihr Mann ihr verbietet, die Kinder zu sehen und der fremdgehende Donan ihr nachstellt. Jedenfalls endet das Ganze in einem "packenden Showdown", verrät Moritz, der außerdem die psychologische Zeichnung der Figuren für gelungen hält und die hier verhandelten Frauenschicksale mit Spannung verfolgt hat.