Alan Furst

Das Reich der Schatten

Roman
Cover: Das Reich der Schatten
Albrecht Knaus Verlag, München 2002
ISBN 9783813502022
Gebunden, 320 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein. Paris, 1938. Nicholas Morath, Kavallerieleutnant a.D., ist ein attraktiver Charmeur mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Er verdient sein Geld als Teilhaber einer kleinen Anzeigenagentur, doch seine Welt sind die eleganten Pariser Salons. Gelegentlich unternimmt er für seinen Onkel, den ungarischen Diplomaten Graf Janos Polanyi, halb offizielle Dienstreisen nach Osteuropa; der alte Graf, dessen Ansichten nicht immer mit den Plänen seiner Regierung übereinstimmen, führt mit Moraths Hilfe von Paris aus seinen eigenen Kampf gegen die ungarischen Faschisten. Die Gefahr eines Krieges in Europa wächst, und Polanyis Aufträge werden immer mysteriöser. Gefährlich nah gerät er dabei an die Zentren der Macht, und nachdem Hitler in Prag einmarschiert ist, riskiert er hinter den feindlichen Linien sein Leben für ein freies Europa.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2003

Zunächst findet Michael Jeismann diesen Roman um geheimdienstliche und erotische Umtriebe eines ehemaligen Leutnants aus Ungarn, der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in Paris spielt, ganz unterhaltsam. Der Rezensent bescheinigt dem amerikanischen Autor, der mit diesem Roman erstmals ins Deutsche übersetzt worden ist, ein Talent dafür, "Stimmungen, die im Gedächtnis bleiben" zu schaffen, wie hier das Flair des Paris der 30er Jahre. Überhaupt habe das Buch etwas von einem "Aromabad", in dem vor allem Atmosphäre entstehen soll, meint der Rezensent. Allerdings findet er die "politischen Abenteuer" des Protagonisten, die alle "irgendwie mit der Kriegsgefahr" zusammenhängen, ziemlich "verwirrend". Zudem werde bei fortschreitender Lektüre der Eindruck immer mächtiger, dass Furst weniger echtes Leben, als vielmehr "täuschend echt geklebte Tapete" bietet, die letztlich dem Klischee verhaftet sei, wie Jeismann moniert. Er räumt ein, die Lektüre ein Stück weit genossen zu haben, nur, meint er bedauernd, irgendwann "beginnt die Tapete sich zu lösen".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.12.2002

Robert Brack gerät ins Schwärmen: Alan Furst schreibe vielschichtige Spionageromane, die keinen einfachen Strickmustern folgten, sondern den unlogischen Gang der Weltgeschichte berücksichtigten. Seit Furst in den achtziger Jahren seine biografischen Wurzeln im europäischen Judentum entdeckt habe, berichtet Brack weiter, seien ihm die dreißiger Jahre als entscheidendes Jahrzehnt für die politische Weichenstellung im 20. Jahrhundert bewusst geworden. Nur einer ("Soldaten der Nacht") von insgesamt sieben Romanen über diese Epoche habe allerdings bislang den Weg in einen deutschen Verlag gefunden, was vielleicht an einer überbordenden Detailfülle lag, vermutet Brack. Der neue Roman bietet vordergründig alles, so der Rezensent, was das Spionage-Genre erfordert: geheimdienstliche Intrigen, eine apokalyptische Kulisse aufgrund der wachsende Bedrohung durch die Nazis, Lebenslust und Dekadenz. Der Protagonist ist ein ungarischer Aristokrat, der in Paris lebt und sich der Rettung seines Heimatlandes vor den Nazis verschrieben hat. Doch würden die Geheimdienstaktivitäten bald so unübersichtlich, dass auch er bald den Überblick verliere, stellt Brack fest. Für ihn liefert Furst nebenbei eine glänzende Analyse des Scheiterns der europäischen Diplomatie angesichts der aufziehenden Katastrophe.
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