Aksel Sandemose

Ein Flüchtling kreuzt seine Spur

Cover: Ein Flüchtling kreuzt seine Spur
Guggolz Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783945370223
, 608 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Unter Mitarbeit von Espen Haavardsholm. Aksel Sandemose (1899-1965) hat sich mit "Ein Flüchtling kreuzt seine Spur" fest in die Literaturgeschichte Skandinaviens eingeschrieben; "Jantes Gesetz", das bis heute für die skandinavische Mentalität steht, als Mahnung für die gesellschaftliche Gleichheit und gegen die Selbstüberschätzung, stammt daraus. Es ist ein Entwicklungsroman über Sandemoses Alter Ego Espen Arnakke, doch auch gleichzeitig ein großer Gesellschaftsroman über das ländliche Skandinavien. Aksel Sandemose lässt seinen Protagonisten erzählen, wie er vermeintlich zum Mörder wurde. Er geht ins Detail, holt psychologisch in früheste Kindheit aus, und entwirft mit einer Fülle an Beobachtungen, Reflexionen und Anekdoten aus dem fiktiven Ort Jante ein Panorama von kleingeistiger, beklemmender Gemeinschaft an der Schwelle ins 20. Jahrhundert. Aksel Sandemose steckte all seine Wut, seine Verzweiflung über andere und sich selbst und seinen unbändigen Freiheitsdrang in diesen Roman. Er spottet, beleidigt, empört sich, deutet, verurteilt - gnadenlos mit sich und anderen, aber auch erstaunlich klar auf den Grund der Dinge dringend.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 18.01.2020

Gleich zwei mal hat der in Dänemark geborene und großgewordene norwegische Schriftsteller diesen autofiktionalen Text geschrieben: 1933 und noch einmal in überarbeiteter Version 1955, erzählt Rezensentin Dorothea Dieckmann. Das Thema kommt einem unglaublich modern vor: Es geht um einen jungen Mann, der in dem dänischen Dorf Jante aufwächst. Am Beispiel dieses Dorfes erzählt Sandemose, wie eine spießig-provinzielle Gemeinde ihre Mitglieder zurichtet, erfahren wir. Vor Kindheit an werden sie mit "Sündenbewusstsein infiziert". Dagegen hilft dann nur, andere auch klein zu halten, so dass am Ende "einer des anderen Aufseher" ist, so die tief beeindruckte Rezensentin. Bei Erscheinen muss diese Demaskierung ein Schlag für die dänische Gesellschaft gewesen sein, wobei Sandemose laut Rezensentin nie ein Hehl daraus gemacht hat, dass Jante überall ist. Das Buch ist übrigens auch in der Form experimentell, so die immer hingerissenere Rezensentin: kein Roman, keine Autobiografie, sie fühlt sich eher an den Monolog eines Psychiatriepatienten auf der Couch erinnert. Die Lektüre ist ein wilder Ritt, verspricht sie, zu dem Gabriele Haefs "bravouröse" Übersetzung gekonnt beiträgt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2019

Wer bei Norwegen nicht nur an Hygge-Trends denken wolle, solle unbedingt diesen bitterbösen Roman lesen, rät der faszinierte Rezensent Matthias Hanneman. An dem fiktiven norwegischen Ort Jante habe der Autor eine "ungehemmte Abrechnung mit dem kleinbürgerlichen Milieu" durchexerziert, indem er seinen Protagonisten dazu bringe, einen Mord mit der mentalen Vergiftung durch sein Umfeld zu rechtfertigen. Sandemose stelle es so dar, dass der Kleinbürgermief hauptsächlich durch die Angst, durch Abweichung aufzufallen, zusammengehalten werde. In seiner Schonungslosigkeit hat der Autor den beeindruckten Kritiker an Karl Ove Knausgård erinnert.

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