Aihwa Ong

Flexible Staatsbürgerschaften

Die kulturelle Logik von Transnationalität
Cover: Flexible Staatsbürgerschaften
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518416792
Kartoniert, 416 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Ilse Lutz. Für den gegenwärtigen Kapitalismus sind bestimmte Gestalten paradigmatisch: der Besitzer mehrerer Pässe, der multikulturelle Manager mit flexiblem Kapital, der "Astronaut", der zwischen Ländern hin und her pendelt, "Fallschirmkinder", die von ihren Eltern wegen deren Geschäftsverpflichtungen in einem anderen als dem Geburtsland abgesetzt werden. Kurz: Es entstehen immer mehr nomadisierende Subjekte. Aihwa Ong untersucht, von einer kulturellen Perspektive aus, die transnationalen Praktiken und Vorstellungen solcher Menschen und gleichzeitig, aus ökonomischer Perspektive, die gesellschaftlichen Bedingungen, die eine solche Flexibilität ermöglichen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.05.2006

Durchaus beeindruckt zeigt sich Martin Hartmann von dieser Studie. Einmal mehr wird hier der Nachweis geführt, dass die Diskussion um Globalisierung schnell "eurozentrisch" und "unangemessen" wird, wenn sie sich nicht auf die regionalen Differenzen und auf das "translokale Dazwischen" einläßt. Gerade am Beispiel Chinas zeige dieses Buch vortrefflich, dass Modernisierung keineswegs dem westlichen Modell einer "McDonaldisierung" entsprechen muss. Die Öffnung der Märkte bedeutet deshalb nicht zwangläufig auch Demokratisierung. "Der Kapitalismus stärkt das Land, indem er den Lebenstandard hebt und gleichzeitig zu einer Entpolitisierung der Bürger beiträgt." Der Rede von einer Globalisierung, die den Nationalstaat untergrabe, mag man nach dieser Studie nicht mehr recht trauen, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2006

Rezensent Manuel Gogos sieht die Studie über flexible Staatsbürgerschaften vor dem Hintergrund einer allgemeinen Konjunktur der "Diaspora Studies". Die Autorin untersuche insbesondere am Beispiel von Auslandschinesen in Kalifornien und Hongkong das "spätmoderne Subjekt" mit mehreren Pässen, wobei Küstengebiete wie schon in der Mittelmeerkultur "prädestinierte" Orte für Diasporagemeinden bildeten. Solche Migranten, referiert der Rezensent, unterliefen einerseits die nationalstaatlichen Grenzen, gehorchten andererseits aber der Logik eines globalisierten Kapitalismus. "Revolutionäre Subjekte" würden in den Diasporaregionen jedenfalls nicht entstehen, wie es manche Globalisierungskritiker erhofften, aber dennoch kreative "Potenziale". Als geistige Väter oder Bezugspunkte von Aihwa Ongs "engagierter" Soziologie macht der Rezensent zum einen Pierre Bourdieu, Giorgio Agamben und Michel Foucault aus und zum anderen die "postkolonial" orientierten Briten Stuart Hall und James Gilroy. Mit diesem Handwerkszeug leiste die Autorin eine "luzide" Analyse von Widersprüchen der modernen Migrationswirklichkeiten, allerdings mit einer "Tendenz", so der Rezensent, zum "poststrukturalistischen" Jargon.

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…