Ahmadou Kourouma

Allah muss nicht gerecht sein

Roman
Cover: Allah muss nicht gerecht sein
Albrecht Knaus Verlag, München 2002
ISBN 9783813501964
Gebunden, 223 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem afrikanischen Französisch von Sabine Herting. Als er etwa zwölf Jahre ist, verliert Birahima, eine Halbwaise von der Elfenbeinküste, seine Mutter, die das Opfer eines bösen Fluches geworden zu sein scheint. Die Angehörigen beschließen, den Jungen in die Obhut seiner Tante nach Liberia zu schicken. Yacouba, ein erfahrener Magier, soll ihn unterwegs beschützen. Doch bevor sie die Grenze erreichen, werden die beiden von Rebellenführern aufgegriffen und in ein Lager verschleppt. Dort steckt man Birahima in die viel zu große Uniform eines Fallschirmspringers und drückt ihm eine Kalaschnikow in die Hand. Yacouba hingegen wird zum Fetischpriester ernannt, dessen Talismane die Feinde verhexen sollen. Und an Feinden herrscht kein Mangel. Die Stammeskriege haben Westafrika in den neunziger Jahren ins Chaos gestürzt, ständig wechseln die Fronten, und die mit Drogen manipulierten Kindersoldaten müssen nicht nur Dörfer und Plantagen angreifen, sondern sogar Missionen und Mädchenheime.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2003

Nahezu überwältig zeigt sich Joseph Hanimann von so viel "erzählerischem Temperament, wortschöpferischer Sprachgewalt und szenischem Geschick für die Mischung von Tragik und Groteske", wie sie der ivorische Autor Ahmadou Kourouma in seinem Roman über Kindersoldaten im Afrika an den Tag legt. Erzählt wird die Geschichte des Jungen Birahima, der sich nach dem Tod seiner Mutter auf den Weg zur Tante in Liberia macht und dort von Waffen und Drogen ins Kriegstreiben rivalisierender Banden locken lässt. Der darauf folgende Bericht geht, wie Hanimann informiert, auf die Erlebnisse jugendlicher Somalis zurück, die dem Autor ihre Geschichten erzählt hatten. Was dabei herausgekommen ist, ist für den Rezensenten schlichtweg faszinierend: "Ein literarisches Wunderding aus Volkspalaver, Zauberei und blutiger Zeitgeschichte", das jedoch jeden Anflug von Betroffenheit stets mit Komik vertreibe. Und mehr noch: der Roman sei eine "Parabel des nackten Überlebenskampfs jenseits von Gut und Böse", wo "weder Übermenschen- noch Menschenvision" gilt. Und wem die Bedeutung Kouroumas nicht klar geworden ist, dem gibt Hanimann mit auf den Weg, dass es sich um einen der wichtigsten Autoren des französischsprachigen Afrikas handelt, einen "unermüdlichen Aufklärer" gegen den in Europa so verbreiteten Afro-Pessismus. Ein Lob geht schließlich noch an Sabine Herting, die den Roman "einfühlsam und sorgfältig, manchmal vielleicht sogar etwas zu sorgfältig am französischen Original haftend" übersetzt habe.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2003

Beeindruckt ist der Rezensent Heinz Hug auf jeden Fall von diesem Roman, und deswegen schmerzen ihn die Fehler und Auslassungen in der Übersetzung von Sabine Herting umso mehr. Er listet recht detailliert Hertings Versäumnisse auf und findet es richtig ärgerlich, dass die teilweise komplizierte sprachliche Verästelung des Romans durch ihre Übersetzung geglättet wurde - vor allem weil die "unaufhörliche sprachliche Selbstvergewisserung" des Protagonisten ein inhaltlicher Bestandteil der erzählten Geschichte ist und die Auslassungen der Übersetzerin an die Substanz des Romans gehen. Trotzdem lohnt sich in Hugs Augen die Lektüre auf jeden Fall. Der Roman zeichnet nach Meinung des Rezensenten ein lebendiges, farbiges und doch "ungeschöntes Bild Westafrikas", dass nebenbei noch eine aufschlussreiche Geschichtslektion sei.
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