Aleksandar Hemon

Zombie Wars

Roman
Cover: Zombie Wars
Albrecht Knaus Verlag, München 2016
ISBN 9783813506976
Gebunden, 320 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von André Mumot. Joshua Levin, wohlstandsverwöhntes Kind einer orientierungslosen Generation, lässt sich durch seine Mittdreißiger treiben. Seine einzige Leidenschaft gilt dem Drehbuchschreiben. Mit einer Persiflage auf die Trashkultur und Allmachtsfantasien Amerikas, das sich gerade auf eine weitere Invasion des Irak vorbereitet, will er den Durchbruch schaffen. Doch gerade, als ihn die Inspiration zu einer vielversprechenden Skriptidee ereilt - "Zombie Wars" - gerät sein Leben aus den Fugen: Nicht nur sein kriegstraumatisierter Vermieter, sondern auch ein eifersüchtiger Ehemann haben es plötzlich auf ihn abgesehen. Joshua hat alle Hände voll zu tun, um seinen Hals zu retten - und wird zu einem Antihelden, wie er ihn selbst nicht hätte besser erfinden können.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.09.2016

Rezensentin Ilma Rakusa findet die Persiflage des Aleksandar Hemon etwas zu forciert. Dass der Autor nach einigen erfolgreichen Büchern einen etwas anderen Weg einschlägt und satirisch auf die US-Gesellschaft blickt, ohne allerdings seine Themen Exil und Immigration aus den Augen zu verlieren, findet Rakusa eigentlich toll. Und indem der Autor seine Geschichte um einen drehbuchschreibenden Schwerenöter mit Bibelzitaten und Skriptpassagen aus einem Zombie-Film versetzt, beweist er ihr auch abermals seine erzählerische Meisterschaft. Leider wirkt der ätzende Furor, mit dem Hemon zeitgenössische Birkenstockträger aus dem Mittelstandsmilieu und amerikanische Trashkultur grimmig zeichnet, auf die Rezensentin auf Dauer ermüdend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2016

Kaum ein gutes Haar lässt Katharina Teutsch am neuen Buch des bosnisch-amerikanischen Schriftstellers Aleksandar Hemon. Nach seinem Erfolg mit der jüdischen Immigrationsgeschichte "Lazarus" habe sich der viel gepriesene Autor nun ins Genre der Zombieliteratur verirrt. Der Roman um einen recht erfolglosen Englischlehrer und Drehbuchautor (der die Rezensentin an Woody Allens Stadtneurotiker erinnert) will mehr Gesellschaftskritik sein, als er kann, klagt die Kritikerin. Die Männerfiguren seien stark angelehnt an jene von Jonathan Franzen und zudem von Nationalklischees geprägt, sodass sich Teutsch fragt: "Was will Hemon mit dem altbekannten Figurensetting?" Ganz klar wird es ihr nicht, immerhin stolpert sie beim Lesen über ein paar "schöne Slapstickvariationen zu den Themen Sex, Gewalt und Migration". Doch die Kritikerin hätte sich gewünscht, dass Hemon mehr Distanz zur Sprache seiner Figuren aufbaut. Die Dialoge (zumindest in der deutschen Übersetzung) tut sie als "bemüht", die Schilderungen von Drogenerfahrungen als "spießig" ab.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2016

Nach den ersten atemlosen Seiten in Aleksandar Hemons neuem Roman "Zombie Wars" muss Rezensent Karl-Markus Gauß erstmal verschnaufen. Der Kritiker kämpft sich nicht nur durch Scharen von Zombies, die dampfende menschliche Gedärme verschlingen, sondern auch durch zahlreiche, wenn auch gelegentlich ganz originell verarbeitete Klischees von sinnlich-gewalttätigen osteuropäischen Migranten. Dass dabei Stil, Sprache und Witz zu kurz kommen, verzeiht Gauß erst mit Blick auf die folgenden Passagen des Romans: Sobald Hemon ruhiger wird - was laut Gauß auch der Übersetzung zugute kommt - gelingen ihm faszinierende Passagen, in denen er vom Leben der Einwanderer in den USA erzählt. Es bedarf "feinsinniger Leser", um diese Verbindung aus Trash und Parodie von Trash, Klischees und der Kritik daran, zu erkennen, mutmaßt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.03.2016

Wieland Freund beginnt seine Besprechung mit Überschwang: Er vergleicht Aleksandar Hemon mit Vladimir Nabokov, schließlich hätten beide Schriftsteller als Nicht-Muttersprachler im Englischen ihre literarische Heimat gefunden. In den Augen des Kritikers arbeitet der gebürtige Jugoslawe Hemon seit Jahren am Projekt eines amerikanisch-bosnischen Romans - umso mehr überrascht Freund das neue Buch. Es sei ganz anders als die bisherigen: "der Elegiker hat sich, wie es scheint, in einen Komödianten verwandelt". Antiheld Joshua Levin, Enkel vierer Holocaust-Überlebender und glühender Amerikaner, werde in "Zombie Wars" regelrecht vorgeführt, in dem der angehende Drehbuchautor gegen seinen Willen ständig mit Politik konfrontiert werde. Mit Erleichterung stellt der Rezensent fest: "Aleksandar Hemon ist Aleksandar Hemon geblieben, auch wenn er zur Abwechslung diesmal auf Slapstick setzt."
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