Agi Mishol
Gedicht für den unvollkommenen Menschen

Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN 9783446281271
Gebunden, 112 Seiten, 24,00 EUR
ISBN 9783446281271
Gebunden, 112 Seiten, 24,00 EUR
Klappentext
Zweisprachige Ausgabe. Deutsch-Hebräisch. Aus dem Hebräischen übersetzt von Anne Birkenhauer . "Ein Palmenwischer streicht von der Himmelsscheibe / Wörter die blieben nachdem die Liebe ging." Agi Mishol ist die populärste Dichterin Israels, ihre Gedichte sind melancholisch, selbstironisch und berühren durch die Lebendigkeit ihrer erstaunlichen Bilder. Als Tochter von Holocaustüberlebenden geht die Lyrikerin auch den Spuren des heutigen Leids nach, ob sie über einen umgepflanzten Olivenbaum schreibt, der für die Entwurzelung der Palästinenser steht, oder von einer zwanzigjährigen Schahidin, die "unterm weiten Kleid schwanger mit Sprengstoff" geht. Trotz aller Konflikte überwiegen in Mishols Gedichten die Lichtblicke, denn auch wenn es "unter der Sonne nichts Neues gibt / über ihr vielleicht schon".
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2024
Rezensentin Insa Wilke ahnt, dass mancher Leser die Gedichte der israelischen Autorin Agi Mishol kitschig finden könnte. Wilke selbst ist anderer Meinung. Sie sieht sowohl eine kritische Perspektive auf die Siedlungspolitik und die Vorbedingungen des 7. Oktober als auch Trost, wenn Mishol Rilke und seine Engel herbeizitiert. In der Mitte des Bandes stößt Wilke zudem auf Gedichte an die Eltern der Autorin und ihr traumatisches Erbe als siebenbürgische Auswanderer. Insgesamt zeigt Mishol eine Lebensrealität, die den meisten von uns unbekannt sein dürfte, glaubt die Rezensentin. Schon darum möchte sie den Band zur Entdeckung empfehlen. Anna Birkenhauers Übersetzung überzeugt sie mit Wärme und sprachlicher Aufmerksamkeit.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2024
Rezensentin Ilma Rakusa ist beeindruckt von Agi Mishols kürzlich übersetztem Gedichtband. Die Gedichte der 1946 geborenen, ungarischstämmigen Israelin berichten, so Rakusa, aufmerksam und empathisch von ihrem Leben als Landwirtin an der Grenze zum Gazastreifen; viele Texte greifen laut der Rezensentin Themen aus dem ländlichen Alltag auf. Neben Flora und Fauna spielt auch Politisches eine Rolle: nicht nur der Landraub an den Palästinensern, sondern - im Gedicht "Schutzraum", das nach dem 7. Oktober entstanden ist - auch Terror und Krieg. Rakusa lobt besonders die alles Pathos abwendende Konkretion von Mishols Gedichten, die Hoch- und Umgangssprache vermischen. Die Gedichte zeichnen sich für die Rezensentin durch eine Nahbarkeit aus, die Anne Birkenhauer überzeugend ins Deutsche übertragen habe.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.07.2024
Höchste Zeit, dass mit Agi Mishol die populärste Lyrikerin Israels endlich ins Deutsche übersetzt wurde, findet Rezensentin Sigrid Brinkmann: Die Tochter Holocaust-Überlebender schreibt über Menschen mitsamt ihren Fehlern, über den Tod, über die Grenzen der Sprache, das alles ohne Metrik, sodass Brinkmann den Eindruck hat, Mishol "spreche uns direkt an." Die Eigensinnigkeit ihrer Empfindungen wird auch in dem einzigen datierten Gedicht von Oktober 2023 deutlich, "jetzt wo alles seine Zeit hat/alles Entsetzen ist", und ihr Spiel mit den Feinheiten des Hebräischen bravourös von Anne Birkenhauer ins Deutsche übertragen wird, so die überzeugte Kritikerin, die sich freut, dank des Hanser-Verlags diese israelische Lyrikerin entdecken zu können.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2024
Der hier rezensierende Dichter und Übersetzer Alexandru Bulucz findet in Agi Mishols Gedichtband nicht weniger als "an Vollkommenheit grenzende" Lyrik. In den rund siebzig Gedichten des Auswahlbandes, vorzüglich übersetzt von der mehrfachen Preisträgerin Anne Birkenhauer, sei keine einzige Zeile überflüssig, schwärmt Bulucz: Es geht thematisch dicht, abwechslungsreich und anspruchsvoll um ein zwiespältiges Heimatgefühl, fußend auch auf der Biografie der Autorin, die selbst als Kind ungarisch-jüdischer Schoa-Überlebender nach dem Zweiten Weltkrieg aus Rumänien nach Israel auswanderte, wie Bulucz erklärt; um den Terrorakt der Selbstmordattentäterin Andaleeb Takatka 2002, sowie in "brisanter" Weise um den Terrorismus der Hamas und die israelische "Besatzungspolitik". Verhandelt werden diese großen politisch-historischen Themen, die für Bulucz den Kern von Mishols Dichtung auszumachen scheinen, aber auch in Form von Tier- und Naturdichtung, die zum Teil auch "großartige humoristische" Texte hervorbringe, etwa über ein spuckendes Lama. Interessantes erfährt der Kritiker außerdem aus einem Nachwort von Ariel Hirschfeld. Für Bulucz ein literarischer "Paukenschlag", ein "atemberaubender" Band.
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