Adolf Muschg

Heimkehr nach Fukushima

Roman
Cover: Heimkehr nach Fukushima
C.H. Beck Verlag, München 2018
ISBN 9783406727023
Gebunden, 244 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Der Architekt Paul Neuhaus, frisch verlassen, erhält eine Einladung von seinen alten Freunden Ken-Ichi und Mitsuko. Der Bürgermeister eines Dorfes nahe beim Unglücksmeiler von Fukushima, Mitsukos Onkel, bittet Neuhaus, ihn zu besuchen. Die Gegend ist verstrahlt, die Dörfer sind verlassen, die kontaminierte Erde ist abgetragen. Die Regierung wünscht die Rückbesiedlung, aber die Menschen haben Angst. Der Bürgermeister will Neuhaus für eine Künstlerkolonie gewinnen - in der verstrahlten Zone -, um neue Hoffnung zu wecken. Neuhaus reist mit Mitsuko an und sie geraten in eine unentrinnbar intensive Nähe zueinander. Ist in der schönen, verseuchten Landschaft Fukushimas eine Zukunft möglich wie auch in der Liebe zwischen Paul und Mitsuko? Sie beide begleitet die Lektüre Adalbert Stifters. So wie dort die geheimnisvolle Kette von Ursache und Wirkung die Bereiche des Lebens gleichermaßen verknüpft, so stellt die unheilvolle Kettenreaktion im Atommeiler in Fukushima nicht nur die Japaner vor die Frage, was diese Katastrophe über uns alle sagt. Sind wir im Zentrum der Gefahr nicht näher an unserer Wahrheit und an der unserer Gegenwart?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2018

Ganz hingerissen bespricht Roman Bucheli den neuen Roman von Adolf Muschg, den er schon oft "delikat", aber selten so "zart und verletzlich" erlebt hat. Erzählt wird die Liebesgeschichte des deutschen Architekten Paul und der jüngeren Japanerin Mitsuko, beide weltverlorene Geschöpfe, die sich aneinanderklammern, wie der Kritiker verrät und die sich todessüchtig ins atomverseuchte Fukushima begeben, um eine Künstlerkolonie zu gründen. Wie Muschg hier mit Stifter und Novalis im Gepäck Abgründe in die Idylle pflügt, dabei seelensatt, lebensvoll, farbenfroh und doch mit der "Härte der Gegenwart" von Sehnsucht und Erlösung erzählt, hat dem Rezensenten gut gefallen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.07.2018

Höchst merkwürdig findet Martin Ebel den neuen Roman von Adolf Muschg. Dass der Autor hier seine Japan-Begeisterung wiederbelebt, kann er erkennen, ebenso den Anschluss an frühere Texte. Wie sich der Autor in diesem Buch auf Japans Verhältnis zur Atomkraft einlässt, scheint Ebel allerdings nicht immer geheuer. Die Reise eines Architekten nach Fukushima beschreibt und bebildert der Autor dabei durchaus auf unwirklich schöne Art und Weise, räumt Ebel ein. Wie die Figuren die japanische Haltung mitunter ironisch verzerrt spiegeln und der Autor Psychologie und die Bibel bemüht, scheint dem Rezensenten allerdings fragwürdig. Stark scheint ihm der Text in der Beschwörung verstrahlter Landschaften und der Reflexion über Mensch, Vernunft und Technik.
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