Adolf Muschg

Die japanische Tasche

Roman
Cover: Die japanische Tasche
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406682018
Gebunden, 484 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Beat Schneider hat etwas Unverzeihliches getan, was ihn seine Ehe mit LouAnne kostet. Sie ist eine außergewöhnliche Zeichnerin, die nicht nur auf seine Liebe, sondern auch auf seine Fürsorge angewiesen ist. Umso kostbarer ist ihm die japanische Tasche, die ihm LouAnne geschenkt hat und die er nicht aus den Augen lässt. Bis er auch sie verliert. Das Leben Schneiders, eines originellen Historikers, der an Karriere nicht interessiert ist, steht unter dem besonderen Schutz seiner einstigen Kinderfrau, die er Alcina nennt und die ihm nach ihrem Verschwinden ein beträchtliches Erbe hinterlassen hat. Sie hat ihm Märchen erzählt und die Traumlogik der Märchen scheint auch in Schneiders Leben zu walten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2016

Rezensent Volker Breidecker verweist auf die psychologische Tiefenebene des neuen Romans von Adolf Muschg, in dem es um zwei gebrannte Kinder geht, die als Erwachsene zueinander finden und sich dann verlieren. Zunehmend unerträglich wird ihm allerdings die Art und Weise, wie Muschg, ein eigentlich doch begnadeter Autor, wie Breidecker weiß, das Personal unübersichtlich zeichnet, die Personenrede bildungshuberisch schwadronierend. Die vielen auch sprachlich gelungenen wunderbaren Kolportagen auf Schweizer Gepflogenheiten und Gestalten gehen darunter laut Breidecker leider fast verschüttet.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.12.2015

Paul Jandl hat sich prächtig amüsiert mit diesem Roman von Adolf Muschg. Eine nacherzählbare Handlung gibt es eigentlich nicht. Nur so viel kann man der Kritik entnehmen: es geht um "Findelkinder auf Selbstsuche", viele von ihnen Historiker, mit denen Muschg ein anregend-kompliziertes Spiel treibt, so der hingerissene Kritiker. Da gehts um den akademischen Betrieb ebenso wie um ungeklärte Verwandtschaftsverhältnisse, ein Selbstmörder aus einem älteren Roman Muschgs taucht auf und selbst der Tod ist nicht was er scheint. Für Jandl war die Lektüre ein Fest.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.11.2015

"Literarischen Trüffelschweinen" kann Rezensent Caspar Shaller Adolf Muschgs neuen Roman "Die japanische Tasche" in jedem Fall empfehlen. Bei all den verschiedenen bruchstückhaften Handlungsfäden, Anspielungen auf Märchen, andere Geschichten, historische Ereignisse und sogar frühere Romane von Muschg wird dem Kritiker zwar ganz schwindelig. Dennoch bereitet es ihm größtes Vergnügen diese raffinierte und rasante Geschichte um den Historiker Beat Schneider, der als Säugling von seiner Mutter ausgesetzt wurde, zu enträtseln. Und Muschgs wunderbar leichte Sprache hat dem Rezensenten ohnehin gut gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2015

Anstrengend und mitunter schwer auszuhalten findet Rezensentin Anja Hirsch den neuen Roman von Adolf Muschg, in dem sie zwar auf alte Muschg-Bekannte trifft, Emil Gygax alias Sutter etwa, der sie dennoch sichtlich befremdet durch seine über-aufgeladene Bauweise. Muschgs Erkundungen im Schweizer Wald haben für Hirsch allerdings etwas Märchenhaftes, was die Rezensentin bei allem Irrlichtern im Text zwischen Fantastischem und Realem, Altmodischem und Hypermodernem, dennoch anzieht. Die Suche nach Beat Schneider, zu der das Buch die Leserin laut Hirsch einlädt, macht es der Rezensentin mit manierierten Gesprächen und Bildungshuberei nicht eben leicht. Verstanden als "eine Art Buleske" kann Hirsch sich dennoch damit anfreunden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.09.2015

Roman Bucheli schwirrt der Kopf von Adolf Muschgs neuem Roman. Da entwirft der Autor eine tollkühne, verspiegelte Geschichte von lauter Paradiesvögeln und Grenzgängern zwischen Diesseits und Jenseits, Glück und Unglück, Schuld und Sühne, lässt alte Romangestalten wiederauferstehen, Wunder und Zeichen geschehen und alles ständig in sein Gegenteil kippen, meint Bucheli. Kompositorisch kühn und von enormer Stofffülle scheint dem Rezensent das. Am meisten aber beeindruckt ihn, dass der Autor sein Textgefüge mutwillig ins Wanken bringt, Gewissheiten und Chronologien ausschlägt und Volten schlägt. Zauberhaft, meint Bucheli.
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