Erweiterte Neuausgabe. "Fragmente einer Sprache der Liebe" gilt als das privateste und zugleich populärste Werk von Roland Barthes. Die alphabetisch geordneten sprachlichen Figuren der Lebenden - von Abhängigkeit bis Zugrundegehen - geben die Reihenfolge vor, in der die möglichen Zuwendungen zu einander Form gewinnen und Verhalten bestimmen. Im Rahmen der Edition der legendären Pariser Seminare von Roland Barthes haben sich weitere Fragmente gefunden, die der Autor in die Erstausgabe nicht aufgenommen hat, die jedoch eine perfekte Ergänzung zum Diskurs jedes Liebenden sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2015
Ganz kurz nur bespricht Jürgen Kaube Roland Barthes' berühmtes Buch über die Liebe, das zum hundertsten Geburtstag des Autors in einer erweiterten Neuausgabe vorgelegt wird. Kaube beschreibt es als ein Buch, dessen Gegenstand tatsächlich nicht in rein wissenschaftlicher Manier erfasst werden könne. Er bewundert Barthes' Fähigkeit, das theoretische Dilemma der erotischen Liebe zu beschreiben: Der Liebende schreibe aus dem Innern dieses Gefühls heraus, er nehme nur ihre Existenz, nicht ihre Essenz wahr. Was aber nicht heißt, dass man diesen Gegenstand als nicht Liebender besser ergreifen kann!
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.11.2015
Andrea Köhler findet keine Spur des Alters an Roland Barthes' zuerst 1977 erschienenem, nun in erweiterter Neuausgabe vorliegendem Buch. Im Gegenteil entdeckt sie beim Wiederlesen mannigfache Aktualisierungsmöglichkeiten des vom Autor angestoßenen Diskurses über die Liebe und ihre Sprache. So Barthes-typisch unsystematisch und hakenschlagend zwischen Literatur, Philosophie und romantischer Liedkunst, wie die Texte laut Köhler daherkommen, bieten sie der Rezensentin doch immer noch ein feines Sensorium zur Registrierung liebestoller (Sprach-)Schwingungen. A wie Angst auch, E wie Eifersucht etwa. Und sogar zum heutigen Genderdiskurs vermag der Band etwas beizutragen, meint Köhler erstaunt. Dass der Verlag die ursprünglich verworfenen, eher kommentierend gehaltenen Einträge nun ebenfalls veröffentlicht, kann die Rezensentin ihm nachsehen. Barthes' Vorgehensweise bei der Arbeit am Buch wird so nämlich für sie kenntlich.
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