Ernst Fraenkels "Doppelstaat" ist ein Klassiker, ein Standardwerk über die Politik, die Justiz und das Recht im Nationalsozialismus. Das Buch ist ein singuläres Werk und ein historisches Dokument: die einzige innerhalb Deutschlands während der nationalsozialistischen Zeit ausgearbeitete Analyse des Regimes. Hier entwickelt Fraenkel die These, dass das nationalsozialistische Herrschaftssystem in zwei große Bereiche zerfällt: den Normenstaat und den Maßnahmenstaat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.11.2001
Für Iring Fetscher gehören die juristischen Analysen über die rechtliche "Doppelstaatlichkeit" des Nationalsozialismus von Ernst Fraenkel, die 1940 in französischem Diplomatengepäck außer Landes geschmuggelt wurden und in England und den USA erschienen sind, zu den wenigen "hellsichtigen" zeitgenössischen Betrachtungen, auf die deutsche Juristen wirklich stolz sein sollten. Als jüdischer Anwalt, der mit einer nichtjüdischen Deutschen verheiratet war und deshalb zumindest bis 1938 arbeiten konnte, hatte Fraenkel beinahe täglich mit den Folgen des Nationalsozialismus zu tun, den er als eine Mischung aus "Maßnahmenstaat" und "Normenstaat" mit einem Rest von "demokratischen" Gesetzen sah, die der Aufrechterhaltung der Wirtschaft dienen sollten, so der Rezensent. 1974 erschien die Analyse auf Deutsch, war lange vergriffen und ist nun wieder zugänglich, versehen mit einem biografischen Vorwort des Herausgebers und aufschlussreichen Dokumenten aus den Jahren 1934 bis 1940, freut sich Fetscher, der die Leküre jedem Rechtshistoriker dringend ans Herz legt.
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