Wenn gesellschaftliche Auseinandersetzungen oder zwischenstaatliche Konflikte eskalieren, ist dafür meist ein Bündel von Ursachen verantwortlich. Diese Knäuel zu entwirren ist in zahlreichen Krisenregionen eine Aufgabe, die viele Lösungsansätze braucht. Verständigung und gesellschaftliche Konfliktbewältigung, die die direkte Begegnung ehemaliger politischer Gegner in den Mittelpunkt stellen, sind dabei ein Weg. Erprobt haben diesen Versöhnungsweg der israelische Psychologe Dan Bar-On mit der von ihm initiierten Gruppe TRT (To Reflect and Trust), in der seit Jahren Nachkommen von Nazi-Opfern und Nazi-Tätern gemeinsam arbeiten. Zu ihrem Treffen 1998 in Hamburg haben sie erstmals den Teilnehmerkreis erweitert und Vertreter aus Nordirland, Israel, Palästina und Südafrika eingeladen. In dem vorliegenden Band berichten die Teilnehmer/innen dieses ungewöhnlichen Treffens über ihre Erwartungen, Erfahrungen und persönlichen Konsequenzen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000
Der israelische Psychologe Dan Bar-On hat die Gesprächsgruppe "To reflect and trust" ins Leben gerufen, die "Unterdrücker und Unterdrückte, Opfer, Täter" zusammenbringt. Der Band dokumentiert ein internationales Treffen von Juden, Deutschen, Palästinensern, (katholischen und protestantischen) Nordiren und (schwarzen und weißen) Südafrikanern (darunter der komplizierte Fall einer weißen, jüdischen Südafrikanerin). Verständigung und Versöhnung ist das Ziel der Gespräche, das Aufweichen von Ideologien, die Beseitigung von Vereinfachungen. Es geht um das Zulassen von "tiefen, menschlichen Erfahrungen", um "Zuhören-Können". Nur auf der persönlichen Ebene, so die Rezensentin Alexandra Senfft, ist "wirkliche Versöhnung" möglich, bei diesem Treffen sei sie Wirklichkeit geworden.
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